#nuedigital 2019 bei Möbelkollektiv: Democra-c now!

Agile Kitchen mit Julian Knorr von onestoptransformation.com

Eine Safari in die Zukunft des Arbeitens: space – state – team. So lautete der Untertitel meines #nuedigital 2019-Absackers am Freitag. Thematisiert wurden bei dem Gastgeber Möbelkollektiv (Danke an Thomas!) die Notwendigkeit von Demokratie im Unternehmen an den Parametern des „Wo“ (space ), des „Wie“ (state ) und des „Warum“ (team ).

Los ging’s bei mir mit „Team“ mit bzw. in der Agile Kitchen, wo gezeigt wurde, was eine Vorspeise grundsätzlich mit Agilität zu tun hat, wie diese agil zubereitet werden kann und wie neues Arbeiten mit selbstorganisierten Teams gelebt werden kann. Wir haben uns also „agile Prozesse“ und die Schlagworte darum wie „Scrum“, „Product Owner“, „Backlog“ und „Burndown Chart“ sprichwörtlich auf der Zunge zergehen lassen. Zumindest das Endprodukt. Kenntnisreich angeleitet von Julian Knorr von Onestoptransformation.

Dann Thor van Horn von Quantumkunst.

Dann Manuel Grasser von Visionen Bauen mit Lego Serios Play. obligatorischen Lego-Steine auf einem Tisch verstreut … und schon ist es Design Thinking – die „Kreativitätstechnik“

Outro

Das war dann auch meine #nuedigital 2019-Experience: Also vier von 330 Veranstaltungen. Immerhin. Ich fand das pars pro toto aber wieder uneingeschränkt großartig: Das Nürnberg Digital Festival zeigt nicht nur die Dynamik der digitalen Szene in der Metropolregion, sondern es macht vor allem auch großen Spaß! Und es veranschaulicht die Namensänderung weg von der Web Week sehr überzeugend: Nicht nur bei diesem Event ging es überhaupt nicht um (technische) Web-Themen, sondern weit darüber hinaus um die Zukunft von Arbeit und Bildung, die Entwicklung der digitalen Gesellschaft sowie um Nachhaltigkeit und Kultur. Mein herzlicher Dank an die ganzen Protagonisten und Helfer – Ihr seid uneingeschränkt großartig (bewusste Wiederholung)!

Links

Vollkommene Demokratie in Unternehmen – das funktioniert doch nicht…
Eine schöne Zusammenfassung von meiner Mit-Shiftschoolie Judith auf dem Blog „New way of work“

#nuedigital 2019 bei der DATEV: Blockchain – Power für sichere Prozesse

#nuedigital 2019 am 16.07. bei der DATEV

Am Tag vier der #nuedigital 2019 (i.e. 16. Juli) gab’s für mich einen Blockchain-Deep Dive bei der DATEV. Mit dem Thema habe ich mich zumindest schon mal näher auseinandergesetzt – daher war diese Veranstaltung für mich gesetzt. Konkret gezeigt wurde das BIZZBLOXX-Projekt, eine Kooperation der DATEV mit der Deutschen Telekom. Also so konkret, wie das eben möglich ist, denn nach außen sichtbar ist noch nichts. Der MVP sah aber schon mal sehr vielversprechend aus.

Blockchain ersetzt ein Vertrauenslack und greift in drei Dimensionen

  • Nachweisbarkeit
  • Transparenz
  • Prozessen

Private Cloud
Bizzbloxx, Authentifizierung mit Verimi
ethereum, hyperledger hat mehr in Sachen smart contract, iota wird interessant: Tengel-VerfahrenCrosschain ist interessant: Polkadot., Cosmos

Standards müssen sich erst noch entwicklen

Sidechains…. Proof-of-Stake statt Proof-of-Work

Outro

Das war mein inhaltlicher Einstieg in das Nürnberg Digital Festival.

Links

Alle 330(!) Veranstaltungen, Bilder und Nachberichte unter
https://nuernberg.digital/

Die Robo Nerd Kit- / Lean Ovation Jam-Challenge

Noch 7 Mal schlafen, dann ist der große Tag da und wir Shiftschoolies dürfen auf öffentlicher Bühne unsere Prototypen aus der Robo Nerd Kit- / Lean Ovation Jam-Challenge pitchen. Wat is’n dat schon wieder? Das ist eine Gruppenarbeit mit dem Ziel, einen kompletten Produktentwicklungszyklus mit entsprechenden Iterationen zu durchlaufen. Neben der Entwicklung eines nutzbaren Produktes und dem Einholen von User-Feedback soll auch ein Geschäftsmodell für das zu entwickelnde Produkt gefunden werden. Alles drei schon ausgewachsene Einzel-Challenges. Weiterhin sollen die Erfahrungen mit dem Prozess dokumentiert werde. I.e. neben den einzelnen Entwicklungsschritten und der Produktidee sollen auch Learnings, Fehler und Erlebnisse in einen abschliessenden Pitch (nächste Challenge!!) einfließen. Non capisco? Im Original liest sich das so:

Es gibt insgesamt 5 Aufgaben, die erledigt werden müssen.
1. TESTDESIGN: Erarbeitet für ein Testdesign inklusive expliziter Forschungsfragen, grundlegende Annahmen, welche Aspekte ein-oder auszuschließen sind und wie das eigentliche Testszenario aussieht.
2. PROTO TESTING: Im Vorfeld des Pitches sollt ihr eure Produkte/Services von eurer Zielgruppe auf Herz und Nieren prüfen zu lassen.
3. PRODUCT ITERATION: Im Nachgang der Tests sollt ihr das User-Feedback analysieren und in eurer Konzept einfließen lassen und euer Produkt und/oder ergänzende Services auf die nächsten Stufe heben (eine technische und/oder Business-Weiterentwicklung)
4. PROOFCONCEPT: Dokumentation aller Prozessschritte, der Testergebnisse und der Schlüsse, die ihr als Team daraus zieht. Ziel ist es, einen aussagekräftigen Proof of Concept zu liefern. Ein Business Case sollte auch dabei sein.
5.PRODUCT PITCH: Als Einstieg habt ihr die Möglichkeit euren Robot in einem 10 minütigen Pitch auf der ZollhofBühne vor einer Investment-Jury vorzustellen.

Und genau da stehen wir in Kürze: Die Jury ist nach eigenen Angaben gecastet. Fünf Männer und Frauen, von Startup, über Sales bis hin zu Innovation. Sie haben an jenem denkwürdigen Freitag, 12. Juli 2019, insgesamt 500 Punkte zu vergeben. In welchem Verhältnis diese Punkte vergeben werden, entscheidet jedes Jurymitglied frei. Aus den Einzelvotings wird dann ein Mittelwert gebildet. Weiterhin bekommt der beste Pitch einmalig 75 Punkt zusätzlich (Mehrheitsentscheidung der Jury). Wer schon mal in einer Jury mitgearbeitet hat, erkennt darin einen durchaus robusten Ansatz, um eine gewisse Scheinobjektivtät zu wahren. 😉

Fazit

Was zählt, ist das eigene Erleben, das Ich, die Subjektivität. Daher kommet herbei , um am 12. Juli um 15 Uhr im Zollhof einen eigenen Eindruck von dem Janzen zu bekommen. Wir, die No4Bugfoots, werden mit unserem sensationellen Backguard als letzte in den Ring steigen. Und das Beste kommt ja bekanntlich immer am Schluss. Und danach pilgern wir alle zur Opening Night des Digital Festivals.

impulse-Tour „Deutschland digital“: Plattform-Ökonomie – wie neue Geschäftsmodelle Märkte durcheinanderwirbeln

Dr. Holger Schmidt, Dozent an der WHU für Plattformökonomie und Digitalisierung, Dirk von Vopelius, Hauptgesellschafter der Schuster & Walther IT Gruppe AG und Präsident der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Katharina Walter, Gründerin und Geschäftsführerin der Hamburger Lokale-Läden-Plattform Findeling, Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender von Datev und Nikolaus Förster, impulse-Herausgeber

Google, Apple, Amazon – der Erfolg von sieben der acht wertvollsten Unternehmen der Welt basiert auf digitalen Plattformen. Ein Trend, dem sich kaum eine Firma – egal, aus welcher Branche – entziehen kann. Wie die Plattform-Ökonomie Märkte durcheinanderwirbelt und wie Mittelständler davon profitieren können, diskutierten gestern Unternehmer und Experten bei einer Veranstaltung des Unternehmermagazins impulse im IT-Campus der Datev in Nürnberg. Podiumsteilnehmer waren:

Zuerst gab’s jedoch eine Heranführung und Einordnung an das Thema sowie Insights zur Digitalisierung der Datev von deren Vorstandsvorsitzenden Dr. Robert Mayr. Aus dem reinen B2B-Markt kommend will die aus fast 40.000 Mitgliedern bestehende Genossenschaft künftig auch Privatpersonen anbieten, ihre Steuererklärung online über das Firmen-Portal (im Verständnis einer Plattform!) zu machen. Ein Vorhaben, das die Branche von Grund auf verändern dürfte – und wozu es eigens eine nicht leicht zu erreichende Satzungsänderung der Genossenschaft bedurfte!

In der Podiumsdiskussion im Anschluss wechselten die Perspektiven und die Einschätzungen zu diesem Thema – vom analytischen Blick der Wissenschaft über den gesamtgesellschaftlichen Blick (bis zur Frage nach dem Purpose), von der konkreten Anwendung für den kleinen Einzelhändler (der Laden als Marke) wieder zurück zur Situation des Mittelstands in Deutschland und die Möglichkeiten, die eine zentrale Plattform für alle steuerlichen Prozesse bietet. Ein Fazit lautete, dass das Erfolgsgeheimnis von guten Plattformen simple ist: Erstens, aus der genauen Kundenkenntnis heraus einen guten Service zu bieten. Zweitens, das mit einer neuen Kreativität zu paaren, die Produkte zum Kunden zu bringen. Es kommt demnach nicht auf die Größe und die Marktmacht von Plattformen an, sondern insbesondere auf eben diese Kreativität.

Outro

Es war eine sehr kenntnisreiche und kluge Gesamtdiskussion, der ich an diesen Abend mit einer Kollegin aus der Shiftschool lauschen durfte. Ab Mitte Mai wird es von impulse einen Kurzfilm zu dem Abend und ein Magazin, das Deutschlands Mittelstand über jüngste Digitalisierungstrends informieren wird, geben. Wir sind gespannt!

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www.impulse.de/deutschland-digital

Zu Gast bei Ranga Yogeshwar: „Nächste Ausfahrt Zukunft – Unser Umgang mit Bildung“

Ranga Yogeshwar bei seinem Vortrag "Nächste Ausfahrt Zukunft" am 27. März 2019 in Fürth

Ich war am vergangenen Mittwoch (mit Kolleginnen aus der Shiftschool) bei einer Vortragsveranstaltung in der Fürther Stadthalle und möchte dazu hier berichten.

Vorab: Der Vortrag war eine Themaverfehlung – es ging nur am Rande um Bildung. Das war für mich überhaupt kein Problem. Herr Yogeshwar hielt einen äußerst kenntnisreichen Vortrag über Digitalisierung, er brachte eine Fülle von anschaulichen Geschichten von dem tiefgreifenden Wandel, in dem wir uns befinden, vor allem stellte er die richtigen Fragen (wollen wir in totaler Transparenz und Rationalität leben, ist das menschlich?), deren Beantwortung er den ca. 800 Zuhörern aber selbst überließ. Das war die große Leistung und damit auch das sehr Angenehme dieses Abends: Keine bis kaum Wertungen zum Für und Wider der Digitalisierung, damit aber auch keine einfachen Antworten, sondern jeder Zuhörer muss (leider) für sich selbst urteilen (und sollte sich selbst in den Prozess der digitalen Transformation einbringen).

Zur Person

Ranga Yogeshwar ist gebürtiger Luxemburger, er ist aber teilweise auch in Indien aufgewachsen. In Aachen studierte er Physik mit den Schwerpunkten „Experimentelle Elementarteilchenphysik und Astrophysik“. Wikipedia kennt seine exakte öffentliche Vita, die möchte ich hier nicht abschreiben. Aber ich erlaube mir die Vermutung, dass der kluge Vortrag letztlich auch aus dem Substrat aus unterschiedlichen Sprachen, Kulturräumen und Religionen seiner Vita entsprang. Wer derart über Grenzen geht, kennt auch im Denken keine Grenzen. Bewundernswert.

Zum Inhalt

Sein Vortrag griff viele Beispiele aus seinem Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ auf. Zentral waren für mich die Fragestellungen zur „Diktatur der Transparenz“, die uns in China bereits vorgelebt werden. Das „Nothing to hide, nothing to fear“ hat er ganz konkret in die Alltagslebenswirklichkeit projiziert, wo man dann beispielsweise nicht mehr aus dem Spaß an der Bewegung und dem eigenen Willen heraus joggt, sondern sich dem Diktat seines konnektierten Fitnessarmbands unterwirft. Denn die Fitness-App als Datensammler für die Versicherung joggt schließlich mit und entscheidet daraufhin (einzelfallgerecht?!) über den Versicherungstarif. Die freie Entscheidung des „Ich möchte“ weicht dem „Ich werde gemöchtet“. Die vollständige Rationalität, die uns die unfassbar vielen persönlichen Daten aus dieser Transparenz in Verbindung mit Algorithmen anbietet, ist vom Grundsatz her entwaffnend. Aber entscheidend ist dann doch die Frage, ob wir das überhaupt wollen, wo da konkret die Grenzen zu ziehen sind und was letztlich menschlich ist. Denn insbesondere in der Vorhersage liegt dann schon sehr viel Musik. Wollen wir beispielsweise die existentiellen medizinischen Fragestellungen des eigenen Lebens durchdigitalisieren? Er wirbt in dem Vortrag um nicht mehr und nicht weniger, als um das Bewusstsein dieser Fragestellungen und um die nötige gesellschaftliche Debatte. Laut seiner Einschätzung sind wir die erste Generation, die ihre Gegenwart maßgeblich selbst gestalten können. Aber dazu braucht es z.B. auch die Selbsterfahrung, was uns als Gesellschaft glücklich macht. Mit dieser Normierung hätten wir einen Kompass für die Grenzziehung im Ozean der Möglichkeiten durch Digitalisierung.

Er beendet den Vortrag mit einem schönen Zitat von Pablo Picasso: „Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassen doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.“ Und mit dem Wunsch, auch in Zukunft die freie Entscheidung tätigen zu können, bei rot über die Ampel zu gehen. Denn als Kind hat er von seinem Onkel in Bangalore vorgegeben bekommen, dass er ruhig bei rot über die Ampel gehen kann, aber insbesondere bei grün genau kucken muss…

Outro

Getroffen: Zwei geschätzte Kollegen aus meiner IHK Nürnberg, die sich beide mit Bildung beschäftigen. Ich bin mal gespannt, was sie von dem Abend/dem Vortrag hielten. Denn leider war direkt vor Ort kaum die Möglichkeit, sich auszutauschen, das Veranstaltungssetting war nicht auf eine Reflexion des eben Gehörten ausgerichtet. Aber die Gustavstraße als kreative Lösung dieses Problems war nicht weit.

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Wat is’n die Shiftschool?

Die Shiftschool ist Deutschlands erste Akademie für digitale Transformation und bietet eine 18-monatige berufsbegleitende Weiterbildung zum Digital Transformation Manager. Ziel ist es, sich mit allen Facetten der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Das (be-)schreibt die Website. Aber was heißt das von innen, wie fühlt sich das an?

Das Konzept der Shiftschool ist eine bunter Strauß, der mich an die Strategie zum Überleben in der VUCA-Welt erinnert. Das bekannte Kürzel steht nämlich auch für vision (Vision), understanding (Verstehen), clarity (Klarheit) und agility (Agilität). Eine Idee der Shiftschool ist daher, das der Kern des bestehendes Weiterbildungsmarkts gerade nicht bedient wird: Die formale Bildung. Klar bekommt man bei der Shiftschool auch ein Zertifikat. Das heißt hier Grad Pad, hat ein Tastatur-Layout und ist schön bunt. Aber darum geht es überhaupt nicht, das möchte erst gar nicht gegen ein MBA-Zertifikat konkurrieren. Vielmehr geht es tatsächlich viel um die persönliche Änderung. Ohne Lust, Leidenschaft (im sehr wörtlichen Sinne!) und die Bereitschaft, sich selbst zu ändern, kann man nämlich kein Botschafter für Veränderung sein. Man wird daher neben der Wissensvermittlung auf hohem Niveau zu allen Facetten der Digitalisierung (das Versprechen der Website geht auf!) ständig angeleitet, die eigene Komfortzone zu verlassen, im geschützten Raum der Schulklasse neue Erfahrungen zu machen und überhaupt einfach mal zu machen und damit die manchmal auch selbstgefällige/selbstschonende Mauer des Aber einzureißen. Und weil das jetzt alles noch nicht wirklich konkret ist, greifen wir auf die gute alte Feuerzangenbowle zurück, stelle ma uns mal janz dumm und lassen das letze Wochenende als erklärendes Beispiel Revue passieren, das allerdings als dreitägige Session, die zudem in München stattfand, eine nochmals intensiveres Erleben bereithielt. Wat is’n die Shiftschool….

Modul 4, Adopt Technology

Der „Lehrplan“ der Shiftschool kennt „Module“ und „Sparks“. Erstere sind größere, in sich geschlossene Zusammenhänge, Sparks dann die darin eingebundenen kleineren Zündfunken mit bewusst sehr interdisziplinären Referenten. Die sollen Lust auf mehr machen, also nicht etwa ein Thema komplett vermitteln, sondern ein Grundverständnis dafür zu wecken und das, wenn es einen berührt, selbstmotiviert in der Klasse und/oder im großen Netzwerk weiter auszubauen.

Mein Kurs, die Class4, startete im Oktober 2018. An dem heutigen Wochenende haben wir mit inzwischen Modul 4 daher schon die Halbzeit unserer 12-monatigen Kursphase erreicht. Nach den Vorgängermodulen zu „Mindset“, „Skillset“ und „Vision“, widmen wir uns jetzt der „Technology“. Das Wochenende steht also unter der Überschrift „Technologische Megatrends als Innovationstreiber“. So let’s go.

Freitag, 8. März, Digital Jaunt

Normalerweise haben wir jedes zweite Wochenende Samstag und Sonntag Präsenz-, also f2f-Unterricht in den Design Offices Nürnberg. Darüber hinaus sieht der „Lehrplan“ der Shiftschool zwei „Safaris“ vor. Einblicke in die Szene/Communitiy, die in dem klassischen Beschulungsformat nicht vermittelbar sind. Das ist im hier beschriebenen Fall München (und wird Anfang Mai Berlin sein).

In der bayerischen Landeshauptstadt ging es (ohne Weißwurstfrühstück) um 10:00 Uhr mit dem ersten Spark im IBM Watson IoT Center in der Mies-van-der-Rohe-Straße los. Uns hat der „HR Thougt Leader“ Sven Semet verarztet. Er ist Informatiker, kam aber bereits 2006 auf die HR-Schiene. Grundsätzlich hat der IBM-Standort München im Konzern (ca. 360.000 MA) die weltweite Verantwortung für IoT, vor Ort haben sie etwa 1000 Arbeitsplätze (700 eigene MA/ 300 Freelancer). Er hat eine sehr starke Demo von sprachlicher Assistenz gegeben. Interessant fand ich seine Einschätzung, dass KI in so ziemlich alles Datenbehaftete/Digitale vordringen wird.

Weiter zu Innosabi. Hier hat Florian Vetter, zuständig für Business Development und Innovationsmanagement, zu uns gesprochen. Innosabi war mal ein Beratungsunternehmen und sind jetzt eine Tech-Company mit etwa 50 MA, die nach seinen Aussagen v.a. von einem gemeinsamen Spirit getragen sind. Als Ergebnis für den Einsatz ihrer derzeit drei Community-Software-Produkte nimmt er schnellere Innovation, skalierbare Kollaboration und genauere Insights in Anspruch. Ich hatte mal über Bande mit denen zu tun: Die IHK München hat innosabi mit https://open.ihk-muenchen.de/ im Einsatz.

Dann Peakzone und dort ein kenntnisreicher (und folienfreier!) Vortrag von Lorenz Hartung. Die sind ein Accelerator im B2B-Umfeld. I.e. die bringen Unternehmen, die Digitalisierung vorantreiben wollen, aber nicht so recht wissen, wie, bzw. dafür nicht die nötigen Skills in ihrer Organisation haben, mit Start-ups zusammen, die dann mit ihnen projektbezogen zusammenarbeiten.

Die Last Session für diesen Tag war der Diversity-Jam in der ReDi-School of Digital Integration. Das ist ein Non-profit Social Enterprise, das der Zielgruppe von Geflüchteten insbesondere IT- und Programmierkurse, Workshops, Tech-Talks, Unternehmens- und Konferenzbesuche, Hackathons, Career counselling und Employment matchmaking bietet. Im coolen Stylight in der Nymphenburger Straße waren neben uns Shiftschoolies Vertreter von Pro7 und Microsoft (die beide Sponsoren der ReDi-School sind) und diverse externe Teilnehmer dabei. Ein insgesamt sehr bunter und natürlich vollständig internationaler Haufen. Im Vorfeld wurden neun Fragestellungen zum Thema Diversität eingereicht. Diese sollten wir in Gruppen anhand eines Canvas diskutieren und Lösungsansätze erarbeiten.

Das war der (untypische!) Safari-Teil. Der folgte also v.a. dem digitalen Transformations-Paradigma „Get out of the Building“. Wir sollten netzwerken, Eindrücke sammeln, diskutieren. Und genau das ist eingetreten. Das waren alles keine drögen Unternehmenspräsentationen oder gar Verkaufsveranstaltungen, sondern jeweils Austauschplattformen auf sehr hohem Niveau. Wow.

Samstag, 9. März, Spark User Experience

Bei sturmartigen Windböen im 31. Stock der Design Offices München ging es um 9:30 Uhr (wie immer) mit einem „Kunstritual“ los. Wat is’n ’n Ritual? Das ist … „ein von Thor van Horn erfundenes Mindfitness-Format für Gruppen. Innerhalb von zehn Minuten führen die Teilnehmer eine gemeinsame Aktion durch, die einer Kunstperformance sehr ähnlich ist. Sie ist partizipativ, sie irritiert, inszeniert, provoziert, transformiert, ironisiert und erzählt oft eine Geschichte. Sie führt manchmal an persönliche Grenzen, soll Tabuisierungen entlarven und uns dem Punkt näher bringen, sie auch mal brechen zu können. Am Ende der Übungen merken wir, wie Experimentierfreude, Offenheit, Mut, Achtsamkeit und unser Gruppengefühl gewachsen sind.“ So die Theorie. Da gab es bislang beispielsweise ein öffentliches „An der Nase herumführen“, eine Gesangs-Performance, wo wir einen Ton gemeinschaftlich über fünf Minuten halten sollten, Free-Hugs in der Fußgängerzone, sich minutenlang tief in die Augen schauen, etc. pp. Heute durften wir Walzer tanzen und dürfen das vermutlich morgen früh nochmal.

Dann ging’s richtig los: Referent ist heute Christian Kuhn mit seinen Erfahrungen aus der (inzwischen deutsch-portugiesische Company) https://www.nuisol.com. Seine andere Company ist https://gyant.com/, die sich v.a. durch eine elaborierte Nutzerführung auszeichnet.

Aus seinem Vortrag erscheinen mir folgende Punkte erwähnenswert:

  • Regel Nr. 1: Customers don’t care about your solution, they care about their problem.
  • Daher sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen und erst dann entwickeln!! Was ist das Ziel? Welches Problem will man lösen? Darüber sollte man sich klar sein.
  • Es geht um Menschen, User Experience geht über Usabilty hinaus. Es geht um Erwartungen sowie um das Gefühl, das der User nach der Benutzung hat.
  • Und auch da ist vorab zu klären: Welche Experience soll erschaffen werden? Erfahrungen, die der Kunde bspw. mit der Website hat, ist Teil des Produkts.
  • UX ist Team-Work, je mehr Menschen mit unterschiedlichen Hintergrund daran arbeiten, desto mehr Diversität bekommt man rein.
  • Es ist vergleichsweise billig, auszuprobieren. Daher unbedingt testen, testen, testen.

Aber damit war’s dann auch noch nicht vorbei: Thomas Fickert, Gründer und CEO der DEXPERIO, zeigt uns aktuelle VR- und AR-Technologien. Interessant, was da geht, interessanter noch seine Einschätzung, dass VR/AR in nächsten fünf Jahren extrem zunehmen wird.

Sonntag, 10. März, Spark Total Connectivity

Weiter in den Design Offices München, weiter mit einem guuut im Wind wankenden Gebäude, aber dafür auch weiter mit wunderbaren Farbenspielen am Himmel. Start war bereits 8:30 Uhr, da wir wie jede Shiftschool-Klasse auch die Aufgabe haben, ein Festival auf die Beine zu stellen. Ich habe da das Servus-KI-Festival unserer Vorgänger, der Class3, als beeindruckendes Moment erleben dürfen. Mal schauen, was wir auf die Beine stellen werden. Termin und Titel stehen aber nach dieser morgendlichen Abstimmungsrunde final fest: Wir werden das Humanity-Festival am Donnerstag, 26. September ausrichten. Be prepared (and save the date…)!

Dann zum eigentlichen Inhalt des Tages, „Total Connectivity“ mit Johannes Start. AI mit NUI – Vorgehensweisen und Tools zur Erstellung von KI-unterstützen Natural User Interfaces am konkreten Beispiel der Alexa Developer Console. Das war ein Alexa Hands-on der Extraklasse. Ich habe in unserer dreier Projektgruppe eine Alexa Skill mitgecodet, die als Gegenstand hat, dass man* in der Ferienwohnung in Madeira Alexa fragen kann, wie das mit der Abfallentsorgung läuft. Und wow, es hat funktioniert. Allerdings nicht ganz ohne jede Vorbildung: Denn jeder von uns durfte bis dato schon einen JavaScript-Kurs an der Codecademy absolvieren. Dieser Kurs war für mich ein komplettes Verlassen der Komfortzone. Aber insbesondere mit der Hilfe der Sozial-Hydraulik der Shiftschool-Klasse hat sich jede/r durch diese Prüfung gebissen und nun hatten wir tatsächlich einen Anwendungsfall.

Mittags dann tatsächlich ein Walzer-Flash-Mob. Das war der Plan. Wegen wenig Zeit und v.a. Orkanwarnung war das semi-öffentlich. Ich war nicht wirklich böse darüber… Und dann ist das Shiftschool-Wochenende gegen 18:00 Uhr dann auch vorbei. Puhh.

Fazit

Nach diesen äußerst dichten drei Tagen weiß ich mal wieder nicht, wie ich die ganzen PS des Wochenendes neben den „normalen“ 200% Arbeitsauslastung auf die Straße bringen soll. Nun, smarte Selbstorganisation ist ein weiteres zentrales Moment der Shiftschool. Und auch die Kunst, loszulassen…

Links

https://www.shiftschool.de/programm/classbook/classfour

http://www.gathsah.brieger.digital/wp-content/uploads/2019/04/HUMANity-Festival-Broschüre.pdf

Blockchain…

… gibt’s jetzt seit etwas mehr als zehn Jahren. Aber WTF ist das überhaupt? Es ist eine „dezentrale Technologie, die grundlegende infrastrukturelle Innovationen einleiten könnte“. Mit der Aussage erscheint es wert, sich ein bisschen tiefgründiger damit zu befassen. Ich kann dazu den „Blockchain: Understanding Its Uses and Implications“ der LinuxFoundationX auf edX empfehlen. Ein paar Outcomes daraus habe ich hier zusammengeschrieben. Den wesentlichen Teil des Textes habe ich jedoch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag bekommen, danke für die gute Zusammenfassung! Jetzt aber in medias res:

Die Blockchain ist ein sicheres Logbuch für Transaktionen. Sie ist eine Unterkategorie eines dezentral verteilten Registers, in dem alle Transaktionen eines Netzwerkes gespeichert werden verknüpft . Dabei werden mehrere Transaktionen zu einem Block zusammengefasst und Blöcke in chronologischer Reihenfolge miteinander verkettet (deswegen der Name „block chain“). Entscheidend dabei ist, dass die Richtigkeit einer Information nicht mehr durch eine zentrale Instanz verifiziert werden muss, sondern mittels eines unter den Teilnehmern transparenten Konsensmechanismus bestätigt wird.

Die Blockchain-Technologie entstand 2008, als ein bis heute unbekannt gebliebener Autor bzw. eine Autorengruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein Forschungspapier mit der technologischen Grundidee veröffentlichte. In dem wurde das Konstrukt des seit 1982 beschriebenen, aber ungelösten gebliebenen „Byzantine Generals Problem“ (in der Geschichte belagern mehrere byzantinische Generäle eine Stadt mit ihren separaten Armeen. Nur wenn sie alle zusammen angreifen oder sich alle zusammen zurückziehen, werden sie überleben. Wenn einige angreifen, während andere sich zurückziehen, werden sie zerstört) genannt und erstmals eine Lösung beschrieben, die auf Dezentralität fußt. In einen technologisch-informatiellen Zusammenhang gesetzt bedeutet die Lösung, dass man verteilt immer mehr Rechenleistung auf seiner Seite haben muss als die jeweils andere (sonst droht ein sogenannter 51%-Angriff oder auch Sybil attack). Im Januar 2009 ging die Kryptowährung Bitcoin als erster Anwendungsfall dieses Konstrukts als Antwort auf die immer größer werdende Finanzkrise (mit deren Double spend-Problematik) online und so wurde die erste öffentliche Blockchain gestartet.

Heute gibt es nicht nur „die eine“, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen von Blockchains, deren Elemente bausteinartig zusammengesetzt werden können. Dennoch lassen sich einige Grundprinzipien der Blockchain-Technologie beschreiben:

Dezentralität: Aufgrund der verteilten Konsensbildung kann die Blockchain-Technologie ohne eine zentrale Instanz funktionieren. Die daraus resultierende Verschlankung der Prozessstruktur durch den Wegfall von Zwischenschritten über die zentrale Instanz kann in geeigneten Anwendungsfällen erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen. Ein weiterer Aspekt der Dezentralität ist, dass alle Daten bei mehreren, oft auch allen Teilnehmern eines Netzwerks gespeichert werden. Aufgrund der Redundanz der Daten ist es im Gegensatz zu einer klassischen Datenbank- oder Cloud-Lösung unproblematisch, wenn ein Server ausfällt. Durch die Dezentralität sind Blockchain-Anwendungen außerdem eine Alternative zu Plattformen, deren Aufgabe als zentraler Intermediär durch die Technologie hinfällig werden kann. Darin liegt ein erhebliches Potenzial der Verschiebung von Marktmacht, die derzeit in einigen Branchen stark konzentriert bei Plattformen liegt.

Manipulationssicherheit: Blockchain-Lösungen gelten wegen der Verknüpfung der einzelnen Blöcke durch Hash-Funktionen und der vielen redundanten Kopien der Datenbank im gesamten Netzwerk als in der Praxis manipulationssicher. Insbesondere für große, öffentliche Blockchains gilt das, weil Daten irreversibel abgespeichert sind und im Prinzip nachträglich nicht mehr verändert werden können, denn es gibt hier gar kein Konzept für eine Bearbeitung oder Löschung. Der zusätzlich eingesetzte Trick dabei ist, dass es die Hash-Funktion mathematisch unmöglich macht, einen Rückwärts-Funktion zu entwickeln und es damit zu einer Einwege-Funktion macht (s. weiter unten „Konsensfindung“). Die Blockchain zeigt also nur transparent an, dass die Informationen seit ihrer ursprünglichen Erstellung nicht mehr verändert wurden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Darüber hinaus hat die Blockchain keine Möglichkeit zu bestätigen, dass die Informationen auf ihr korrekt sind.

Verschlüsselung: Die Nutzung von Kryptografie für die Transaktionsdaten in einer Blockchain ermöglicht eine Transparenz der Transaktionen, ohne dass die Transaktionsbeteiligten unmittelbar erkennbar sind. Obwohl alle Transaktionen in einer öffentlichen Blockchain transparent und nachvollziehbar sind, bleiben die Akteure bei entsprechender Ausgestaltung der Blockchain unbekannt, solange die Daten nicht entschlüsselt werden. Nur der sogenannte öffentliche Schlüssel des Akteurs, eine Art Kontonummer, wird angegeben.

Exkurs: Für eine vollständige Zwei-Wege-Verschlüsselung sind darüber hinaus die anderen drei Komponenten, die Nachricht, die Funktion und das Verschlüsselungsverfahren notwendig. Nur wenn alle vier Komponenten bekannt sind, kann der Weg der Verschlüsselung komplett durchschritten werden.

Ein einfaches Beispiel:

  1. Nachricht: „Das Essen schmeckt lecker.“
  2. Funktion: Tausche jeden Buchstaben der Nachricht gegen einen neuen Kleinbuchstaben entsprechend des Schlüssels.
  3. Schlüssel = „+2“.
  4. Verschlüsselung: „fcu guugp uejogemv ngemgt.“

Sicherheit/Cybersecurity: Innerhalb der Blockchain-Technologie wird ein ganz anderen Ansatz bei der Datenspeicherung und -verarbeitung verfolgt. Es ist gegenüber der traditionellen Herangehensweise eine diametral andere Perspektive der Sicherheit: Dezentralisiert, verteilt und auf prinzipiell nicht vertrauenswürdiger Infrastruktur basierend. Das Ganze funktioniert nur, weil es so sehr viel Arbeit machen würde, die Mehrzahl aller bestehende Kopien in kürzester Zeit im eigenen Sinne zu manipulieren, und damit schlichtweg unökonomisch ist. Man schützt also nicht das einzigartige Dokument (oder dergleichen), sondern macht es mit einer mannigfaltigen Vervielfachung mit den weiter oben skizzierten Mechanismen de facto fälschungssicher.

Automatisierungspotenzial: Auf Basis der Blockchain-Technologie können bestimmte Vertragsbedingungen digital abgebildet sowie automatisch und permanent kontrolliert werden. Diese automatisierten Verträge, sogenannte Smart Contracts, ermöglichen ein enormes Automatisierungspotenzial. Diese Smart Contracts sind ein wesentliches Merkmal der meisten Blockchain-Technologien, bei dem Transaktionen mit Programmcode verknüpft werden. Mit ihnen lassen sich unter anderem Vertragsbeziehungen ganz oder teilweise abbilden und auch ganz oder zum Teil automatisch erfüllen. Je nach Komplexität dieser automatisierten Vertragsbeziehungen lassen sich sogar neue Organisationsformen abbilden wie zum Beispiel eine Dezentrale Autonome Organisation (DAO), bei der ab Inbetriebnahme die Handlungen der Organisation im Wesentlichen auf Geschäftsregeln und Prozessen beruhen, die über mehrere Smart Contracts abgebildet werden, und nicht auf Handlungen eines zentralen Managements.

Die Blockchain-Technologie ermöglicht zudem Dezentrale Apps (DApps), d.h. dezentrale Internet-Anwendungen, bei denen anders als bei herkömmlichen Internet-Anwendungen die Daten und Teile des Programmcodes nicht auf einem zentralen Server gespeichert werden, sondern dezentral in der Blockchain. Durch diese Funktionalität ermöglicht die Blockchain-Technologie grundsätzlich eine stärkere Dezentralisierung von Internetanwendungen und könnte zur Verschiebung von Marktmacht führen.

Exkurs: DApps i.V.m. DAOs wird dann auch ein heißes Eisen für die IHK-Organisation, die bisher als trusted Intermediär in zahlreichen Zusammenhängen eine Bestätigungsfunktion innehat, die aber nun auch technologisch abbildbar und damit redundant wird (sogenanntes „Removing middlemen“). Namentlich zu erwähnen ist hier die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, überhaupt Zeugnischecks aber auch die ganze Welt der Zollpapiere einschließlich der Lieferkettenproblematik. Ich sehe das aber als Chance und nicht als Risiko: Blockchain-Technologie könnte hier modular und ergänzend auf etwas aufsetzen, das bereits ziemlich gut funktioniert. Nur muss man es dennoch erstmal machen….

Zurück zum Thema: Die erläuterten Potenziale und Eigenschaften der Blockchain-Technologie beziehen sich auf die grundsätzliche Idee von Blockchains. Es gibt aber nicht „die eine“ Blockchain, sondern eine Vielzahl an „Bausteinen“ für die Ausgestaltung von Blockchains. Deren Kombination bietet individualisierte Lösungen für viele Anwendungsfälle. Folgende Typisierungen von Blockchains sind möglich:

Teilnahme: In öffentlichen Blockchains steht jedem die Teilnahme am Netzwerk offen. Bei privaten Blockchains (Plattformen wie Hyperledger und Hashgraph mit dann typischerweise einem Identity Management oder auch R3 Corda und Quorum) ist der Teilnehmerkreis zum Beispiel auf eine unternehmensinterne Nutzung begrenzt. Bei öffentlichen Blockchains existiert kein zentraler Ansprechpartner, während bei einer privaten Blockchain der Betreiber als Moderator verstanden werden kann. Das sind jedoch keine Gegenmodelle: Beide haben ihre Berechtigung in unterschiedlichen Lösungsszenarien und ermöglichen es, jeweils ganz verschiedene Arten von Produkten und Angeboten darauf aufzubauen.

Lese- und Schreibrechte: Während genehmigungsfreie Blockchains jedem Teilnehmer sowohl Lese- als auch Schreibrechte zugestehen, werden diese in genehmigungspflichtigen Blockchains eingeschränkt.

Konsensfindung: Das bisher gängigste Verfahren der Ausgestaltung des dezentralen Konsensmechanismus für die Verifizierung von Blöcken heißt „Proof of Work“. Die Netzwerkteilnehmer, die einen neuen Block vom Netzwerk bestätigen lassen wollen, müssen einen Arbeitsnachweis erbringen. Auf Basis der im Block zusammengefassten Transaktionen, eines Zeitstempels, dem Hashwert (eine Art Fingerabdruck) des Vorgängerblocks und einer Zufallszahl wird ein gültiger Hashwert des aktuellen Blocks errechnet. An die Berechnung eines gültigen Hashwerts werden Bedingungen geknüpft, sodass unterschiedliche Zufallszahlen ausprobiert werden müssen, bis ein gültiger Hashwert gefunden wird. Der Netzwerkteilnehmer, der als Erster einen gültigen Hashwert gefunden hat, bekommt den von ihm vorgeschlagenen Block mit Transaktionen bestätigt und erhält dafür eine Belohnung. Alle anderen Teilnehmer erhalten nichts. Ein weiteres gängiges Verfahren zur Konsensfindung heißt „Proof of Stake“. Dabei werden Netzwerkteilnehmer entsprechend ihren Anteilen an der zugrundeliegenden Kryptowährung oder auf Basis eines Zufallsmechanismus ausgewählt, um Blöcke zu validieren. Das ressourcenintensive Mining entfällt hierbei.

Anreizsysteme: Zur Pflege einer jeden Blockchain braucht es ein entsprechendes Anreizsystem. In öffentlichen Blockchains können hoher Energie- und Ressourcenverbrauch und hohe Kosten für die notwendigen Rechenkapazitäten, um einen gültigen neuen Block zu berechnen, entstehen. Netzwerkteilnehmer, die Blöcke berechnen, heißen Miner, und sie werden durch die zugrundeliegende Kryptowährung der Blockchain entlohnt. In privaten (konsortialen) Blockchains können Anreize auch außerhalb der Blockchain gesetzt werden, zum Beispiel über Verträge unter den Konsortialpartnern.

Fazit

Blockchain ist ein vom Konzept her ineffizientes System. Darin werden mit Hilfe von ökonomischen und auch spieltheoretischen Ansätzen Anreize gesetzt, um sicherzustellen, dass sich jeder im System ehrlich und regelgerecht verhält. Funktional gesehen ist es v.a. eine (langsame!) dezentrale Datenbank, mit der Transaktionen zwischen Partnern, die sich eher misstrauen, fälschungssicher abgewickelt werden können. Zumindest derzeit: Wenn der Quantencomputer tatsächlich in der Welt angekommen ist, wird ein erfolgreicher Sybil attack plötzlich doch darstellbar. Bis dahin wird sich die Blockchain-Technologie wohl doch nicht als die Revolution, sondern wie weiter oben geschrieben als schlaue Ergänzung zu bestehenden Lösungen erweisen. Diese Behauptung mache ich auch an externen Indikatoren fest: Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos gab es nur drei Blocks zu dem Thema, letztes Jahr waren es deren 20. Bei der SXSW 2019 in Austin habe zumindest ich gar nichts darüber gelesen/gehört/gesehen. Dennoch hat die Technologie sicher das Potenzial, in politischen Zusammenhängen angewandt nicht nur Wahlen, überhaupt politische Teilhabe oder sogar das Staatsbürgerwesen zu verändern, sondern auch in der Wirtschaft viele Geschäftsmodelle, wo insbesondere Eigentums- und Echtheitsvalidierung im Zentrum stehen, überflüssig zu machen. Volkswirtschaftlich gesehen sind die Blockchain-basierten neuen Digitalwährungen für die Geldschöpfung abseits der Zentralbanken sicher eine neue Größe, aber im Moment eben doch noch keine relevante Marktgröße. Dennoch muss die mit dieser Technologie einhergehende Transformation (oder in Teilen auch Disruption) erstmal passieren und v.a. von der Rationalität eines Homo oeconomicus angenommen werden. Wenn es den tatsächlich noch geben sollte.

Outro

Ich möchte mich namentlich bei Stefan Lutter und Frank B. Sonder bedanken, die mir das Thema Blockchain im Rahmen eines Shiftschool-Sparks näher gebracht haben. Gleichermaßen auch „Danke“ an Peter Dickten, von dem ich seinen Vortrag „Blockchain-basierte Web-Anwendungen mit JavaScript und Ethereum“ beim Erlanger Webkongress 2018 bekommen habe. Thx folks und tl;dr, ich weiß…..

Links

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/digitalisierung-was-bosch-mit-der-blockchain-vorhat-16188120.html
„Was Bosch mit der Blockchain vorhat“, Artikel in der FAZ vom 15. Mai 2019

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/blockchain-grundgutachten.html
Das Blockchain-Grundgutachten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

Prof. Dr. Gilbert Fridgen, Universität Bayreuth

NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL 2019 vom 12. – 22. JULI // Call for Papers

Logo Nürnberg Digital Festival (NUE digital GmbH)

Die regionale digitale Szene trifft sich wieder zum „NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL“! 2019 wird das aber schon im Juli der Fall sein. Geplant ist wie in den Vorjahren eine Vielzahl von Vorträgen, Workshops, Konferenzen, Aktionen und Netzwerk-Treffen zu sämtlichen Facetten der digitalen Welt. Interessierte Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Verbände usw., die sich mit einer Veranstaltung beteiligen wollen, können ihre Vorschläge ab sofort einreichen: Am 20. März und 28. März finden Schulungen zum eingesetzten Eventtool statt, die Frist zur Aufnahme eigener Beiträge ins offizielle Programm endet am 12. April. Im vergangenen Jahr kamen über 12 000 Besucher zu den rund 200 Veranstaltungen in der gesamten Metropolregion Nürnberg.

Das Festival versteht sich als Community-Projekt, wird also von zahlreichen Personen aus verschiedenen Firmen und Organisationen der Region ehrenamtlich getragen und organisiert. Dennoch gibt es einen hauptamtlichen Kern: Die NUE digital GmbH bringt die Fäden zusammen und konzertiert das Eventmanangement. Darüber hinaus engagieren sich Unternehmen und Institutionen, darunter die IHK Nürnberg für Mittelfranken, als Kooperationspartner oder Sponsoren des Festivals.

Links

Alle weiteren Infos unter #NUEDIGITAL auf den einschlägigen Kanälen und unter https://nuernberg.digital oder speziell https://nuernberg.digital/festival/mitmachen/veranstalter.

Digitale Transformation aus ordnungspolitscher Perspektive: Prof. Achim Wambach im Ludwig-Erhard-Zentrum in Fürth

Bildkomposition Ludwig-Erhard-Zentrum Fürth und 'Digitaler Wohlstand für alle', Prof. Achim Wambach

Das Ludwig-Erhard-Zentrum (LEZ) in Fürth, das im Mai 2018 eröffnet wurde, entwickelt sich über das Ausstellungskonzept und das flankierende museumspädagogische Programm hinaus zu einem wichtigen Forum für den wirtschaftspolitischen Austausch. So thematisiert das LEZ mit der Veranstaltungsreihe „Ludwig Erhard Gespräch“ aktuelle wirtschaftliche Fragen vor dem Hintergrund der Sozialen Marktwirtschaft. Prominenter Redner des letzten Talks am 31. Januar war Prof. Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Vorsitzender der Monopolkommission, der in einem kurzweiligen Vortrag sein neues Buch „Digitaler Wohlstand für alle. Ein Update der Sozialen Marktwirtschaft ist möglich“ vorstellte.

Prof. Wambach startete mit der Warnung des ungarisch-stämmigen Philanthropen George Soros, das repressive Systeme in Verbindung mit IT-Technologie einen eingebauten Vorteil gegenüber offenen Gesellschaften haben. Ein Hebel der Verteidigung der offenen Gesellschaften ist die Wirtschaftspolitik. Denn die digitale Marktwirtschaft stellt die bisherigen Strukturen auf den Kopf. Fungierten bisher Preise als zentrales Allokationsinstrument, werden diese nun durch Daten abgelöst. Wir bezahlen heute im Internet für Serviceleistungen vielfach nichts oder allenfalls mit unseren Daten – damit verlieren Preise aber ihre Lenkungsfunktion. Zudem sinkt in einer Sharing Econonmy generell die Bedeutung von Privateigentum. Das Streben nach Privateigentum ist aber ein zentrales Axiom in den Modellen der geltenden Wirtschaftstheorien. Zuletzt weicht in Zeiten von Plattform-Ökonomien fairer Wettbewerb einer zunehmenden Monopolisierung. Statt einer mittelständischen Struktur begünstigt die digitale Marktwirtschaft riesige Konzerne, die den Markt zu beherrschen scheinen. Diese Marktposition erlaubt einen substanziellen Anstieg der Preisaufschläge auf Waren und Dienstleistungen – allerdings auch bei einer hohen Forschungsintesität! So lagen beispielsweise die F&E-Ausgaben 2018 von Amazon (22,6 Mrd. USD) deutlich über denen von Volkswagen (15,8 Mrd. USD) . Das sind die Änderungen at a glance, aber

… was würden Ludwig Erhard, Alfred Müller-Armack und Walter Eucken nun dazu sagen?

Prof. Wambach sieht eine probate Antwort in der konsequenten Anwendung und Weiterentwicklung des deutschen und europäischen Wettbewerbsrechts. Mit einer nächsten Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) könne man sich einem möglichen Diktat der Internetmonopolisten widersetzen. In dem Zusammenhang hat er aufgerufen, dass wir dazu aber auch alle mithelfen müssen. Alle Akteure müssen zusammenarbeiten, um eine zu große Marktmacht einzugrenzen und die schützenswerten Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft aufrechtzuerhalten. Und in dem Zusammenhang hat er auch die IHKs genannt. 😊

Sein zuversichtliches Fazit lautet daher „ein Update der Sozialen Marktwirtschaft ist möglich“ – selbst im Zeitalter der Digitalisierung. Denn geänderte Wirtschaftsmodelle generieren v.a. auch Wohlstandsgewinne durch neue Märkte. So erlaubt der Paradigmenwechsel vom Marktkapitalismus zu den „kollaborativen Commons“ eines Jeremy Rifkins eine Transformation der Ökonomie, die viele Chancen und eine vielschichtige Demokratisierung mit sich bringt. Den damit einhergehenden Risiken gilt es sich zu stellen. Nicht mehr und nicht weniger.

Outro

Für das Networking danach waren alle Besucher der Veranstaltung in das Café Luise geladen. Dort habe ich insbesondere mit dem Glücksforscher Prof. Karlheinz Ruckriegel sowie dem Fotografen Dr. Thomas Scherer über das eben Gehörte diskutiert. Danke an den Förderverein des Ludwig-Erhard-Zentrums für diese Möglichkeit.

Links

https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wirtschaft-gesellschaft/wirtschaft/digitaler_wohlstand_fuer_alle-15096.html

https://www.ludwig-erhard-zentrum.de

https://www.cafe-luise-fuerth.de/