impulse-Tour „Deutschland digital“: Plattform-Ökonomie – wie neue Geschäftsmodelle Märkte durcheinanderwirbeln

Dr. Holger Schmidt, Dozent an der WHU für Plattformökonomie und Digitalisierung, Dirk von Vopelius, Hauptgesellschafter der Schuster & Walther IT Gruppe AG und Präsident der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Katharina Walter, Gründerin und Geschäftsführerin der Hamburger Lokale-Läden-Plattform Findeling, Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender von Datev und Nikolaus Förster, impulse-Herausgeber

Google, Apple, Amazon – der Erfolg von sieben der acht wertvollsten Unternehmen der Welt basiert auf digitalen Plattformen. Ein Trend, dem sich kaum eine Firma – egal, aus welcher Branche – entziehen kann. Wie die Plattform-Ökonomie Märkte durcheinanderwirbelt und wie Mittelständler davon profitieren können, diskutierten gestern Unternehmer und Experten bei einer Veranstaltung des Unternehmermagazins impulse im IT-Campus der Datev in Nürnberg. Podiumsteilnehmer waren:

Zuerst gab’s jedoch eine Heranführung und Einordnung an das Thema sowie Insights zur Digitalisierung der Datev von deren Vorstandsvorsitzenden Dr. Robert Mayr. Aus dem reinen B2B-Markt kommend will die aus fast 40.000 Mitgliedern bestehende Genossenschaft künftig auch Privatpersonen anbieten, ihre Steuererklärung online über das Firmen-Portal (im Verständnis einer Plattform!) zu machen. Ein Vorhaben, das die Branche von Grund auf verändern dürfte – und wozu es eigens eine nicht leicht zu erreichende Satzungsänderung der Genossenschaft bedurfte!

In der Podiumsdiskussion im Anschluss wechselten die Perspektiven und die Einschätzungen zu diesem Thema – vom analytischen Blick der Wissenschaft über den gesamtgesellschaftlichen Blick (bis zur Frage nach dem Purpose), von der konkreten Anwendung für den kleinen Einzelhändler (der Laden als Marke) wieder zurück zur Situation des Mittelstands in Deutschland und die Möglichkeiten, die eine zentrale Plattform für alle steuerlichen Prozesse bietet. Ein Fazit lautete, dass das Erfolgsgeheimnis von guten Plattformen simple ist: Erstens, aus der genauen Kundenkenntnis heraus einen guten Service zu bieten. Zweitens, das mit einer neuen Kreativität zu paaren, die Produkte zum Kunden zu bringen. Es kommt demnach nicht auf die Größe und die Marktmacht von Plattformen an, sondern insbesondere auf eben diese Kreativität.

Outro

Es war eine sehr kenntnisreiche und kluge Gesamtdiskussion, der ich an diesen Abend mit einer Kollegin aus der Shiftschool lauschen durfte. Ab Mitte Mai wird es von impulse einen Kurzfilm zu dem Abend und ein Magazin, das Deutschlands Mittelstand über jüngste Digitalisierungstrends informieren wird, geben. Wir sind gespannt!

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www.impulse.de/deutschland-digital

Zu Gast bei Ranga Yogeshwar: „Nächste Ausfahrt Zukunft – Unser Umgang mit Bildung“

Ranga Yogeshwar bei seinem Vortrag "Nächste Ausfahrt Zukunft" am 27. März 2019 in Fürth

Ich war am vergangenen Mittwoch (mit Kolleginnen aus der Shiftschool) bei einer Vortragsveranstaltung in der Fürther Stadthalle und möchte dazu hier berichten.

Vorab: Der Vortrag war eine Themaverfehlung – es ging nur am Rande um Bildung. Das war für mich überhaupt kein Problem. Herr Yogeshwar hielt einen äußerst kenntnisreichen Vortrag über Digitalisierung, er brachte eine Fülle von anschaulichen Geschichten von dem tiefgreifenden Wandel, in dem wir uns befinden, vor allem stellte er die richtigen Fragen (wollen wir in totaler Transparenz und Rationalität leben, ist das menschlich?), deren Beantwortung er den ca. 800 Zuhörern aber selbst überließ. Das war die große Leistung und damit auch das sehr Angenehme dieses Abends: Keine bis kaum Wertungen zum Für und Wider der Digitalisierung, damit aber auch keine einfachen Antworten, sondern jeder Zuhörer muss (leider) für sich selbst urteilen (und sollte sich selbst in den Prozess der digitalen Transformation einbringen).

Zur Person

Ranga Yogeshwar ist gebürtiger Luxemburger, er ist aber teilweise auch in Indien aufgewachsen. In Aachen studierte er Physik mit den Schwerpunkten „Experimentelle Elementarteilchenphysik und Astrophysik“. Wikipedia kennt seine exakte öffentliche Vita, die möchte ich hier nicht abschreiben. Aber ich erlaube mir die Vermutung, dass der kluge Vortrag letztlich auch aus dem Substrat aus unterschiedlichen Sprachen, Kulturräumen und Religionen seiner Vita entsprang. Wer derart über Grenzen geht, kennt auch im Denken keine Grenzen. Bewundernswert.

Zum Inhalt

Sein Vortrag griff viele Beispiele aus seinem Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ auf. Zentral waren für mich die Fragestellungen zur „Diktatur der Transparenz“, die uns in China bereits vorgelebt werden. Das „Nothing to hide, nothing to fear“ hat er ganz konkret in die Alltagslebenswirklichkeit projiziert, wo man dann beispielsweise nicht mehr aus dem Spaß an der Bewegung und dem eigenen Willen heraus joggt, sondern sich dem Diktat seines konnektierten Fitnessarmbands unterwirft. Denn die Fitness-App als Datensammler für die Versicherung joggt schließlich mit und entscheidet daraufhin (einzelfallgerecht?!) über den Versicherungstarif. Die freie Entscheidung des „Ich möchte“ weicht dem „Ich werde gemöchtet“. Die vollständige Rationalität, die uns die unfassbar vielen persönlichen Daten aus dieser Transparenz in Verbindung mit Algorithmen anbietet, ist vom Grundsatz her entwaffnend. Aber entscheidend ist dann doch die Frage, ob wir das überhaupt wollen, wo da konkret die Grenzen zu ziehen sind und was letztlich menschlich ist. Denn insbesondere in der Vorhersage liegt dann schon sehr viel Musik. Wollen wir beispielsweise die existentiellen medizinischen Fragestellungen des eigenen Lebens durchdigitalisieren? Er wirbt in dem Vortrag um nicht mehr und nicht weniger, als um das Bewusstsein dieser Fragestellungen und um die nötige gesellschaftliche Debatte. Laut seiner Einschätzung sind wir die erste Generation, die ihre Gegenwart maßgeblich selbst gestalten können. Aber dazu braucht es z.B. auch die Selbsterfahrung, was uns als Gesellschaft glücklich macht. Mit dieser Normierung hätten wir einen Kompass für die Grenzziehung im Ozean der Möglichkeiten durch Digitalisierung.

Er beendet den Vortrag mit einem schönen Zitat von Pablo Picasso: „Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassen doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.“ Und mit dem Wunsch, auch in Zukunft die freie Entscheidung tätigen zu können, bei rot über die Ampel zu gehen. Denn als Kind hat er von seinem Onkel in Bangalore vorgegeben bekommen, dass er ruhig bei rot über die Ampel gehen kann, aber insbesondere bei grün genau kucken muss…

Outro

Getroffen: Zwei geschätzte Kollegen aus meiner IHK Nürnberg, die sich beide mit Bildung beschäftigen. Ich bin mal gespannt, was sie von dem Abend/dem Vortrag hielten. Denn leider war direkt vor Ort kaum die Möglichkeit, sich auszutauschen, das Veranstaltungssetting war nicht auf eine Reflexion des eben Gehörten ausgerichtet. Aber die Gustavstraße als kreative Lösung dieses Problems war nicht weit.

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Wat is’n die Shiftschool?

Die Shiftschool ist Deutschlands erste Akademie für digitale Transformation und bietet eine 18-monatige berufsbegleitende Weiterbildung zum Digital Transformation Manager. Ziel ist es, sich mit allen Facetten der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Das (be-)schreibt die Website. Aber was heißt das von innen, wie fühlt sich das an?

Das Konzept der Shiftschool ist eine bunter Strauß, der mich an die Strategie zum Überleben in der VUCA-Welt erinnert. Das bekannte Kürzel steht nämlich auch für vision (Vision), understanding (Verstehen), clarity (Klarheit) und agility (Agilität). Eine Idee der Shiftschool ist daher, das der Kern des bestehendes Weiterbildungsmarkts gerade nicht bedient wird: Die formale Bildung. Klar bekommt man bei der Shiftschool auch ein Zertifikat. Das heißt hier Grad Pad, hat ein Tastatur-Layout und ist schön bunt. Aber darum geht es überhaupt nicht, das möchte erst gar nicht gegen ein MBA-Zertifikat konkurrieren. Vielmehr geht es tatsächlich viel um die persönliche Änderung. Ohne Lust, Leidenschaft (im sehr wörtlichen Sinne!) und die Bereitschaft, sich selbst zu ändern, kann man nämlich kein Botschafter für Veränderung sein. Man wird daher neben der Wissensvermittlung auf hohem Niveau zu allen Facetten der Digitalisierung (das Versprechen der Website geht auf!) ständig angeleitet, die eigene Komfortzone zu verlassen, im geschützten Raum der Schulklasse neue Erfahrungen zu machen und überhaupt einfach mal zu machen und damit die manchmal auch selbstgefällige/selbstschonende Mauer des Aber einzureißen. Und weil das jetzt alles noch nicht wirklich konkret ist, greifen wir auf die gute alte Feuerzangenbowle zurück, stelle ma uns mal janz dumm und lassen das letze Wochenende als erklärendes Beispiel Revue passieren, das allerdings als dreitägige Session, die zudem in München stattfand, eine nochmals intensiveres Erleben bereithielt. Wat is’n die Shiftschool….

Modul 4, Adopt Technology

Der „Lehrplan“ der Shiftschool kennt „Module“ und „Sparks“. Erstere sind größere, in sich geschlossene Zusammenhänge, Sparks dann die darin eingebundenen kleineren Zündfunken mit bewusst sehr interdisziplinären Referenten. Die sollen Lust auf mehr machen, also nicht etwa ein Thema komplett vermitteln, sondern ein Grundverständnis dafür zu wecken und das, wenn es einen berührt, selbstmotiviert in der Klasse und/oder im großen Netzwerk weiter auszubauen.

Mein Kurs, die Class4, startete im Oktober 2018. An dem heutigen Wochenende haben wir mit inzwischen Modul 4 daher schon die Halbzeit unserer 12-monatigen Kursphase erreicht. Nach den Vorgängermodulen zu „Mindset“, „Skillset“ und „Vision“, widmen wir uns jetzt der „Technology“. Das Wochenende steht also unter der Überschrift „Technologische Megatrends als Innovationstreiber“. So let’s go.

Freitag, 8. März, Digital Jaunt

Normalerweise haben wir jedes zweite Wochenende Samstag und Sonntag Präsenz-, also f2f-Unterricht in den Design Offices Nürnberg. Darüber hinaus sieht der „Lehrplan“ der Shiftschool zwei „Safaris“ vor. Einblicke in die Szene/Communitiy, die in dem klassischen Beschulungsformat nicht vermittelbar sind. Das ist im hier beschriebenen Fall München (und wird Anfang Mai Berlin sein).

In der bayerischen Landeshauptstadt ging es (ohne Weißwurstfrühstück) um 10:00 Uhr mit dem ersten Spark im IBM Watson IoT Center in der Mies-van-der-Rohe-Straße los. Uns hat der „HR Thougt Leader“ Sven Semet verarztet. Er ist Informatiker, kam aber bereits 2006 auf die HR-Schiene. Grundsätzlich hat der IBM-Standort München im Konzern (ca. 360.000 MA) die weltweite Verantwortung für IoT, vor Ort haben sie etwa 1000 Arbeitsplätze (700 eigene MA/ 300 Freelancer). Er hat eine sehr starke Demo von sprachlicher Assistenz gegeben. Interessant fand ich seine Einschätzung, dass KI in so ziemlich alles Datenbehaftete/Digitale vordringen wird.

Weiter zu Innosabi. Hier hat Florian Vetter, zuständig für Business Development und Innovationsmanagement, zu uns gesprochen. Innosabi war mal ein Beratungsunternehmen und sind jetzt eine Tech-Company mit etwa 50 MA, die nach seinen Aussagen v.a. von einem gemeinsamen Spirit getragen sind. Als Ergebnis für den Einsatz ihrer derzeit drei Community-Software-Produkte nimmt er schnellere Innovation, skalierbare Kollaboration und genauere Insights in Anspruch. Ich hatte mal über Bande mit denen zu tun: Die IHK München hat innosabi mit https://open.ihk-muenchen.de/ im Einsatz.

Dann Peakzone und dort ein kenntnisreicher (und folienfreier!) Vortrag von Lorenz Hartung. Die sind ein Accelerator im B2B-Umfeld. I.e. die bringen Unternehmen, die Digitalisierung vorantreiben wollen, aber nicht so recht wissen, wie, bzw. dafür nicht die nötigen Skills in ihrer Organisation haben, mit Start-ups zusammen, die dann mit ihnen projektbezogen zusammenarbeiten.

Die Last Session für diesen Tag war der Diversity-Jam in der ReDi-School of Digital Integration. Das ist ein Non-profit Social Enterprise, das der Zielgruppe von Geflüchteten insbesondere IT- und Programmierkurse, Workshops, Tech-Talks, Unternehmens- und Konferenzbesuche, Hackathons, Career counselling und Employment matchmaking bietet. Im coolen Stylight in der Nymphenburger Straße waren neben uns Shiftschoolies Vertreter von Pro7 und Microsoft (die beide Sponsoren der ReDi-School sind) und diverse externe Teilnehmer dabei. Ein insgesamt sehr bunter und natürlich vollständig internationaler Haufen. Im Vorfeld wurden neun Fragestellungen zum Thema Diversität eingereicht. Diese sollten wir in Gruppen anhand eines Canvas diskutieren und Lösungsansätze erarbeiten.

Das war der (untypische!) Safari-Teil. Der folgte also v.a. dem digitalen Transformations-Paradigma „Get out of the Building“. Wir sollten netzwerken, Eindrücke sammeln, diskutieren. Und genau das ist eingetreten. Das waren alles keine drögen Unternehmenspräsentationen oder gar Verkaufsveranstaltungen, sondern jeweils Austauschplattformen auf sehr hohem Niveau. Wow.

Samstag, 9. März, Spark User Experience

Bei sturmartigen Windböen im 31. Stock der Design Offices München ging es um 9:30 Uhr (wie immer) mit einem „Kunstritual“ los. Wat is’n ’n Ritual? Das ist … „ein von Thor van Horn erfundenes Mindfitness-Format für Gruppen. Innerhalb von zehn Minuten führen die Teilnehmer eine gemeinsame Aktion durch, die einer Kunstperformance sehr ähnlich ist. Sie ist partizipativ, sie irritiert, inszeniert, provoziert, transformiert, ironisiert und erzählt oft eine Geschichte. Sie führt manchmal an persönliche Grenzen, soll Tabuisierungen entlarven und uns dem Punkt näher bringen, sie auch mal brechen zu können. Am Ende der Übungen merken wir, wie Experimentierfreude, Offenheit, Mut, Achtsamkeit und unser Gruppengefühl gewachsen sind.“ So die Theorie. Da gab es bislang beispielsweise ein öffentliches „An der Nase herumführen“, eine Gesangs-Performance, wo wir einen Ton gemeinschaftlich über fünf Minuten halten sollten, Free-Hugs in der Fußgängerzone, sich minutenlang tief in die Augen schauen, etc. pp. Heute durften wir Walzer tanzen und dürfen das vermutlich morgen früh nochmal.

Dann ging’s richtig los: Referent ist heute Christian Kuhn mit seinen Erfahrungen aus der (inzwischen deutsch-portugiesische Company) https://www.nuisol.com. Seine andere Company ist https://gyant.com/, die sich v.a. durch eine elaborierte Nutzerführung auszeichnet.

Aus seinem Vortrag erscheinen mir folgende Punkte erwähnenswert:

  • Regel Nr. 1: Customers don’t care about your solution, they care about their problem.
  • Daher sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen und erst dann entwickeln!! Was ist das Ziel? Welches Problem will man lösen? Darüber sollte man sich klar sein.
  • Es geht um Menschen, User Experience geht über Usabilty hinaus. Es geht um Erwartungen sowie um das Gefühl, das der User nach der Benutzung hat.
  • Und auch da ist vorab zu klären: Welche Experience soll erschaffen werden? Erfahrungen, die der Kunde bspw. mit der Website hat, ist Teil des Produkts.
  • UX ist Team-Work, je mehr Menschen mit unterschiedlichen Hintergrund daran arbeiten, desto mehr Diversität bekommt man rein.
  • Es ist vergleichsweise billig, auszuprobieren. Daher unbedingt testen, testen, testen.

Aber damit war’s dann auch noch nicht vorbei: Thomas Fickert, Gründer und CEO der DEXPERIO, zeigt uns aktuelle VR- und AR-Technologien. Interessant, was da geht, interessanter noch seine Einschätzung, dass VR/AR in nächsten fünf Jahren extrem zunehmen wird.

Sonntag, 10. März, Spark Total Connectivity

Weiter in den Design Offices München, weiter mit einem guuut im Wind wankenden Gebäude, aber dafür auch weiter mit wunderbaren Farbenspielen am Himmel. Start war bereits 8:30 Uhr, da wir wie jede Shiftschool-Klasse auch die Aufgabe haben, ein Festival auf die Beine zu stellen. Ich habe da das Servus-KI-Festival unserer Vorgänger, der Class3, als beeindruckendes Moment erleben dürfen. Mal schauen, was wir auf die Beine stellen werden. Termin und Titel stehen aber nach dieser morgendlichen Abstimmungsrunde final fest: Wir werden das Humanity-Festival am Donnerstag, 26. September ausrichten. Be prepared (and save the date…)!

Dann zum eigentlichen Inhalt des Tages, „Total Connectivity“ mit Johannes Start. AI mit NUI – Vorgehensweisen und Tools zur Erstellung von KI-unterstützen Natural User Interfaces am konkreten Beispiel der Alexa Developer Console. Das war ein Alexa Hands-on der Extraklasse. Ich habe in unserer dreier Projektgruppe eine Alexa Skill mitgecodet, die als Gegenstand hat, dass man* in der Ferienwohnung in Madeira Alexa fragen kann, wie das mit der Abfallentsorgung läuft. Und wow, es hat funktioniert. Allerdings nicht ganz ohne jede Vorbildung: Denn jeder von uns durfte bis dato schon einen JavaScript-Kurs an der Codecademy absolvieren. Dieser Kurs war für mich ein komplettes Verlassen der Komfortzone. Aber insbesondere mit der Hilfe der Sozial-Hydraulik der Shiftschool-Klasse hat sich jede/r durch diese Prüfung gebissen und nun hatten wir tatsächlich einen Anwendungsfall.

Mittags dann tatsächlich ein Walzer-Flash-Mob. Das war der Plan. Wegen wenig Zeit und v.a. Orkanwarnung war das semi-öffentlich. Ich war nicht wirklich böse darüber… Und dann ist das Shiftschool-Wochenende gegen 18:00 Uhr dann auch vorbei. Puhh.

Fazit

Nach diesen äußerst dichten drei Tagen weiß ich mal wieder nicht, wie ich die ganzen PS des Wochenendes neben den „normalen“ 200% Arbeitsauslastung auf die Straße bringen soll. Nun, smarte Selbstorganisation ist ein weiteres zentrales Moment der Shiftschool. Und auch die Kunst, loszulassen…

Links

https://www.shiftschool.de/programm/classbook/classfour

http://www.gathsah.brieger.digital/wp-content/uploads/2019/04/HUMANity-Festival-Broschüre.pdf

Blockchain…

… gibt’s jetzt seit etwas mehr als zehn Jahren. Aber WTF ist das überhaupt? Es ist eine „dezentrale Technologie, die grundlegende infrastrukturelle Innovationen einleiten könnte“. Mit der Aussage erscheint es wert, sich ein bisschen tiefgründiger damit zu befassen. Ich kann dazu den „Blockchain: Understanding Its Uses and Implications“ der LinuxFoundationX auf edX empfehlen. Ein paar Outcomes daraus habe ich hier zusammengeschrieben. Den wesentlichen Teil des Textes habe ich jedoch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag bekommen, danke für die gute Zusammenfassung! Jetzt aber in medias res:

Die Blockchain ist ein sicheres Logbuch für Transaktionen. Sie ist eine Unterkategorie eines dezentral verteilten Registers, in dem alle Transaktionen eines Netzwerkes gespeichert werden verknüpft . Dabei werden mehrere Transaktionen zu einem Block zusammengefasst und Blöcke in chronologischer Reihenfolge miteinander verkettet (deswegen der Name „block chain“). Entscheidend dabei ist, dass die Richtigkeit einer Information nicht mehr durch eine zentrale Instanz verifiziert werden muss, sondern mittels eines unter den Teilnehmern transparenten Konsensmechanismus bestätigt wird.

Die Blockchain-Technologie entstand 2008, als ein bis heute unbekannt gebliebener Autor bzw. eine Autorengruppe unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein Forschungspapier mit der technologischen Grundidee veröffentlichte. In dem wurde das Konstrukt des seit 1982 beschriebenen, aber ungelösten gebliebenen „Byzantine Generals Problem“ (in der Geschichte belagern mehrere byzantinische Generäle eine Stadt mit ihren separaten Armeen. Nur wenn sie alle zusammen angreifen oder sich alle zusammen zurückziehen, werden sie überleben. Wenn einige angreifen, während andere sich zurückziehen, werden sie zerstört) genannt und erstmals eine Lösung beschrieben, die auf Dezentralität fußt. In einen technologisch-informatiellen Zusammenhang gesetzt bedeutet die Lösung, dass man verteilt immer mehr Rechenleistung auf seiner Seite haben muss als die jeweils andere (sonst droht ein sogenannter 51%-Angriff oder auch Sybil attack). Im Januar 2009 ging die Kryptowährung Bitcoin als erster Anwendungsfall dieses Konstrukts als Antwort auf die immer größer werdende Finanzkrise (mit deren Double spend-Problematik) online und so wurde die erste öffentliche Blockchain gestartet.

Heute gibt es nicht nur „die eine“, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen von Blockchains, deren Elemente bausteinartig zusammengesetzt werden können. Dennoch lassen sich einige Grundprinzipien der Blockchain-Technologie beschreiben:

Dezentralität: Aufgrund der verteilten Konsensbildung kann die Blockchain-Technologie ohne eine zentrale Instanz funktionieren. Die daraus resultierende Verschlankung der Prozessstruktur durch den Wegfall von Zwischenschritten über die zentrale Instanz kann in geeigneten Anwendungsfällen erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen. Ein weiterer Aspekt der Dezentralität ist, dass alle Daten bei mehreren, oft auch allen Teilnehmern eines Netzwerks gespeichert werden. Aufgrund der Redundanz der Daten ist es im Gegensatz zu einer klassischen Datenbank- oder Cloud-Lösung unproblematisch, wenn ein Server ausfällt. Durch die Dezentralität sind Blockchain-Anwendungen außerdem eine Alternative zu Plattformen, deren Aufgabe als zentraler Intermediär durch die Technologie hinfällig werden kann. Darin liegt ein erhebliches Potenzial der Verschiebung von Marktmacht, die derzeit in einigen Branchen stark konzentriert bei Plattformen liegt.

Manipulationssicherheit: Blockchain-Lösungen gelten wegen der Verknüpfung der einzelnen Blöcke durch Hash-Funktionen und der vielen redundanten Kopien der Datenbank im gesamten Netzwerk als in der Praxis manipulationssicher. Insbesondere für große, öffentliche Blockchains gilt das, weil Daten irreversibel abgespeichert sind und im Prinzip nachträglich nicht mehr verändert werden können, denn es gibt hier gar kein Konzept für eine Bearbeitung oder Löschung. Der zusätzlich eingesetzte Trick dabei ist, dass es die Hash-Funktion mathematisch unmöglich macht, einen Rückwärts-Funktion zu entwickeln und es damit zu einer Einwege-Funktion macht (s. weiter unten „Konsensfindung“). Die Blockchain zeigt also nur transparent an, dass die Informationen seit ihrer ursprünglichen Erstellung nicht mehr verändert wurden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Darüber hinaus hat die Blockchain keine Möglichkeit zu bestätigen, dass die Informationen auf ihr korrekt sind.

Verschlüsselung: Die Nutzung von Kryptografie für die Transaktionsdaten in einer Blockchain ermöglicht eine Transparenz der Transaktionen, ohne dass die Transaktionsbeteiligten unmittelbar erkennbar sind. Obwohl alle Transaktionen in einer öffentlichen Blockchain transparent und nachvollziehbar sind, bleiben die Akteure bei entsprechender Ausgestaltung der Blockchain unbekannt, solange die Daten nicht entschlüsselt werden. Nur der sogenannte öffentliche Schlüssel des Akteurs, eine Art Kontonummer, wird angegeben.

Exkurs: Für eine vollständige Zwei-Wege-Verschlüsselung sind darüber hinaus die anderen drei Komponenten, die Nachricht, die Funktion und das Verschlüsselungsverfahren notwendig. Nur wenn alle vier Komponenten bekannt sind, kann der Weg der Verschlüsselung komplett durchschritten werden.

Ein einfaches Beispiel:

  1. Nachricht: „Das Essen schmeckt lecker.“
  2. Funktion: Tausche jeden Buchstaben der Nachricht gegen einen neuen Kleinbuchstaben entsprechend des Schlüssels.
  3. Schlüssel = „+2“.
  4. Verschlüsselung: „fcu guugp uejogemv ngemgt.“

Sicherheit/Cybersecurity: Innerhalb der Blockchain-Technologie wird ein ganz anderen Ansatz bei der Datenspeicherung und -verarbeitung verfolgt. Es ist gegenüber der traditionellen Herangehensweise eine diametral andere Perspektive der Sicherheit: Dezentralisiert, verteilt und auf prinzipiell nicht vertrauenswürdiger Infrastruktur basierend. Das Ganze funktioniert nur, weil es so sehr viel Arbeit machen würde, die Mehrzahl aller bestehende Kopien in kürzester Zeit im eigenen Sinne zu manipulieren, und damit schlichtweg unökonomisch ist. Man schützt also nicht das einzigartige Dokument (oder dergleichen), sondern macht es mit einer mannigfaltigen Vervielfachung mit den weiter oben skizzierten Mechanismen de facto fälschungssicher.

Automatisierungspotenzial: Auf Basis der Blockchain-Technologie können bestimmte Vertragsbedingungen digital abgebildet sowie automatisch und permanent kontrolliert werden. Diese automatisierten Verträge, sogenannte Smart Contracts, ermöglichen ein enormes Automatisierungspotenzial. Diese Smart Contracts sind ein wesentliches Merkmal der meisten Blockchain-Technologien, bei dem Transaktionen mit Programmcode verknüpft werden. Mit ihnen lassen sich unter anderem Vertragsbeziehungen ganz oder teilweise abbilden und auch ganz oder zum Teil automatisch erfüllen. Je nach Komplexität dieser automatisierten Vertragsbeziehungen lassen sich sogar neue Organisationsformen abbilden wie zum Beispiel eine Dezentrale Autonome Organisation (DAO), bei der ab Inbetriebnahme die Handlungen der Organisation im Wesentlichen auf Geschäftsregeln und Prozessen beruhen, die über mehrere Smart Contracts abgebildet werden, und nicht auf Handlungen eines zentralen Managements.

Die Blockchain-Technologie ermöglicht zudem Dezentrale Apps (DApps), d.h. dezentrale Internet-Anwendungen, bei denen anders als bei herkömmlichen Internet-Anwendungen die Daten und Teile des Programmcodes nicht auf einem zentralen Server gespeichert werden, sondern dezentral in der Blockchain. Durch diese Funktionalität ermöglicht die Blockchain-Technologie grundsätzlich eine stärkere Dezentralisierung von Internetanwendungen und könnte zur Verschiebung von Marktmacht führen.

Exkurs: DApps i.V.m. DAOs wird dann auch ein heißes Eisen für die IHK-Organisation, die bisher als trusted Intermediär in zahlreichen Zusammenhängen eine Bestätigungsfunktion innehat, die aber nun auch technologisch abbildbar und damit redundant wird (sogenanntes „Removing middlemen“). Namentlich zu erwähnen ist hier die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, überhaupt Zeugnischecks aber auch die ganze Welt der Zollpapiere einschließlich der Lieferkettenproblematik. Ich sehe das aber als Chance und nicht als Risiko: Blockchain-Technologie könnte hier modular und ergänzend auf etwas aufsetzen, das bereits ziemlich gut funktioniert. Nur muss man es dennoch erstmal machen….

Zurück zum Thema: Die erläuterten Potenziale und Eigenschaften der Blockchain-Technologie beziehen sich auf die grundsätzliche Idee von Blockchains. Es gibt aber nicht „die eine“ Blockchain, sondern eine Vielzahl an „Bausteinen“ für die Ausgestaltung von Blockchains. Deren Kombination bietet individualisierte Lösungen für viele Anwendungsfälle. Folgende Typisierungen von Blockchains sind möglich:

Teilnahme: In öffentlichen Blockchains steht jedem die Teilnahme am Netzwerk offen. Bei privaten Blockchains (Plattformen wie Hyperledger und Hashgraph mit dann typischerweise einem Identity Management oder auch R3 Corda und Quorum) ist der Teilnehmerkreis zum Beispiel auf eine unternehmensinterne Nutzung begrenzt. Bei öffentlichen Blockchains existiert kein zentraler Ansprechpartner, während bei einer privaten Blockchain der Betreiber als Moderator verstanden werden kann. Das sind jedoch keine Gegenmodelle: Beide haben ihre Berechtigung in unterschiedlichen Lösungsszenarien und ermöglichen es, jeweils ganz verschiedene Arten von Produkten und Angeboten darauf aufzubauen.

Lese- und Schreibrechte: Während genehmigungsfreie Blockchains jedem Teilnehmer sowohl Lese- als auch Schreibrechte zugestehen, werden diese in genehmigungspflichtigen Blockchains eingeschränkt.

Konsensfindung: Das bisher gängigste Verfahren der Ausgestaltung des dezentralen Konsensmechanismus für die Verifizierung von Blöcken heißt „Proof of Work“. Die Netzwerkteilnehmer, die einen neuen Block vom Netzwerk bestätigen lassen wollen, müssen einen Arbeitsnachweis erbringen. Auf Basis der im Block zusammengefassten Transaktionen, eines Zeitstempels, dem Hashwert (eine Art Fingerabdruck) des Vorgängerblocks und einer Zufallszahl wird ein gültiger Hashwert des aktuellen Blocks errechnet. An die Berechnung eines gültigen Hashwerts werden Bedingungen geknüpft, sodass unterschiedliche Zufallszahlen ausprobiert werden müssen, bis ein gültiger Hashwert gefunden wird. Der Netzwerkteilnehmer, der als Erster einen gültigen Hashwert gefunden hat, bekommt den von ihm vorgeschlagenen Block mit Transaktionen bestätigt und erhält dafür eine Belohnung. Alle anderen Teilnehmer erhalten nichts. Ein weiteres gängiges Verfahren zur Konsensfindung heißt „Proof of Stake“. Dabei werden Netzwerkteilnehmer entsprechend ihren Anteilen an der zugrundeliegenden Kryptowährung oder auf Basis eines Zufallsmechanismus ausgewählt, um Blöcke zu validieren. Das ressourcenintensive Mining entfällt hierbei.

Anreizsysteme: Zur Pflege einer jeden Blockchain braucht es ein entsprechendes Anreizsystem. In öffentlichen Blockchains können hoher Energie- und Ressourcenverbrauch und hohe Kosten für die notwendigen Rechenkapazitäten, um einen gültigen neuen Block zu berechnen, entstehen. Netzwerkteilnehmer, die Blöcke berechnen, heißen Miner, und sie werden durch die zugrundeliegende Kryptowährung der Blockchain entlohnt. In privaten (konsortialen) Blockchains können Anreize auch außerhalb der Blockchain gesetzt werden, zum Beispiel über Verträge unter den Konsortialpartnern.

Fazit

Blockchain ist ein vom Konzept her ineffizientes System. Darin werden mit Hilfe von ökonomischen und auch spieltheoretischen Ansätzen Anreize gesetzt, um sicherzustellen, dass sich jeder im System ehrlich und regelgerecht verhält. Funktional gesehen ist es v.a. eine (langsame!) dezentrale Datenbank, mit der Transaktionen zwischen Partnern, die sich eher misstrauen, fälschungssicher abgewickelt werden können. Zumindest derzeit: Wenn der Quantencomputer tatsächlich in der Welt angekommen ist, wird ein erfolgreicher Sybil attack plötzlich doch darstellbar. Bis dahin wird sich die Blockchain-Technologie wohl doch nicht als die Revolution, sondern wie weiter oben geschrieben als schlaue Ergänzung zu bestehenden Lösungen erweisen. Diese Behauptung mache ich auch an externen Indikatoren fest: Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos gab es nur drei Blocks zu dem Thema, letztes Jahr waren es deren 20. Bei der SXSW 2019 in Austin habe zumindest ich gar nichts darüber gelesen/gehört/gesehen. Dennoch hat die Technologie sicher das Potenzial, in politischen Zusammenhängen angewandt nicht nur Wahlen, überhaupt politische Teilhabe oder sogar das Staatsbürgerwesen zu verändern, sondern auch in der Wirtschaft viele Geschäftsmodelle, wo insbesondere Eigentums- und Echtheitsvalidierung im Zentrum stehen, überflüssig zu machen. Volkswirtschaftlich gesehen sind die Blockchain-basierten neuen Digitalwährungen für die Geldschöpfung abseits der Zentralbanken sicher eine neue Größe, aber im Moment eben doch noch keine relevante Marktgröße. Dennoch muss die mit dieser Technologie einhergehende Transformation (oder in Teilen auch Disruption) erstmal passieren und v.a. von der Rationalität eines Homo oeconomicus angenommen werden. Wenn es den tatsächlich noch geben sollte.

Outro

Ich möchte mich namentlich bei Stefan Lutter und Frank B. Sonder bedanken, die mir das Thema Blockchain im Rahmen eines Shiftschool-Sparks näher gebracht haben. Gleichermaßen auch „Danke“ an Peter Dickten, von dem ich seinen Vortrag „Blockchain-basierte Web-Anwendungen mit JavaScript und Ethereum“ beim Erlanger Webkongress 2018 bekommen habe. Thx folks und tl;dr, ich weiß…..

Links

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/digitalisierung-was-bosch-mit-der-blockchain-vorhat-16188120.html
„Was Bosch mit der Blockchain vorhat“, Artikel in der FAZ vom 15. Mai 2019

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/blockchain-grundgutachten.html
Das Blockchain-Grundgutachten des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

Prof. Dr. Gilbert Fridgen, Universität Bayreuth

NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL 2019 vom 12. – 22. JULI // Call for Papers

Logo Nürnberg Digital Festival (NUE digital GmbH)

Die regionale digitale Szene trifft sich wieder zum „NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL“! 2019 wird das aber schon im Juli der Fall sein. Geplant ist wie in den Vorjahren eine Vielzahl von Vorträgen, Workshops, Konferenzen, Aktionen und Netzwerk-Treffen zu sämtlichen Facetten der digitalen Welt. Interessierte Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Verbände usw., die sich mit einer Veranstaltung beteiligen wollen, können ihre Vorschläge ab sofort einreichen: Am 20. März und 28. März finden Schulungen zum eingesetzten Eventtool statt, die Frist zur Aufnahme eigener Beiträge ins offizielle Programm endet am 12. April. Im vergangenen Jahr kamen über 12 000 Besucher zu den rund 200 Veranstaltungen in der gesamten Metropolregion Nürnberg.

Das Festival versteht sich als Community-Projekt, wird also von zahlreichen Personen aus verschiedenen Firmen und Organisationen der Region ehrenamtlich getragen und organisiert. Dennoch gibt es einen hauptamtlichen Kern: Die NUE digital GmbH bringt die Fäden zusammen und konzertiert das Eventmanangement. Darüber hinaus engagieren sich Unternehmen und Institutionen, darunter die IHK Nürnberg für Mittelfranken, als Kooperationspartner oder Sponsoren des Festivals.

Links

Alle weiteren Infos unter #NUEDIGITAL auf den einschlägigen Kanälen und unter https://nuernberg.digital oder speziell https://nuernberg.digital/festival/mitmachen/veranstalter.

Digitale Transformation aus ordnungspolitscher Perspektive: Prof. Achim Wambach im Ludwig-Erhard-Zentrum in Fürth

Bildkomposition Ludwig-Erhard-Zentrum Fürth und 'Digitaler Wohlstand für alle', Prof. Achim Wambach

Das Ludwig-Erhard-Zentrum (LEZ) in Fürth, das im Mai 2018 eröffnet wurde, entwickelt sich über das Ausstellungskonzept und das flankierende museumspädagogische Programm hinaus zu einem wichtigen Forum für den wirtschaftspolitischen Austausch. So thematisiert das LEZ mit der Veranstaltungsreihe „Ludwig Erhard Gespräch“ aktuelle wirtschaftliche Fragen vor dem Hintergrund der Sozialen Marktwirtschaft. Prominenter Redner des letzten Talks am 31. Januar war Prof. Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Vorsitzender der Monopolkommission, der in einem kurzweiligen Vortrag sein neues Buch „Digitaler Wohlstand für alle. Ein Update der Sozialen Marktwirtschaft ist möglich“ vorstellte.

Prof. Wambach startete mit der Warnung des ungarisch-stämmigen Philanthropen George Soros, das repressive Systeme in Verbindung mit IT-Technologie einen eingebauten Vorteil gegenüber offenen Gesellschaften haben. Ein Hebel der Verteidigung der offenen Gesellschaften ist die Wirtschaftspolitik. Denn die digitale Marktwirtschaft stellt die bisherigen Strukturen auf den Kopf. Fungierten bisher Preise als zentrales Allokationsinstrument, werden diese nun durch Daten abgelöst. Wir bezahlen heute im Internet für Serviceleistungen vielfach nichts oder allenfalls mit unseren Daten – damit verlieren Preise aber ihre Lenkungsfunktion. Zudem sinkt in einer Sharing Econonmy generell die Bedeutung von Privateigentum. Das Streben nach Privateigentum ist aber ein zentrales Axiom in den Modellen der geltenden Wirtschaftstheorien. Zuletzt weicht in Zeiten von Plattform-Ökonomien fairer Wettbewerb einer zunehmenden Monopolisierung. Statt einer mittelständischen Struktur begünstigt die digitale Marktwirtschaft riesige Konzerne, die den Markt zu beherrschen scheinen. Diese Marktposition erlaubt einen substanziellen Anstieg der Preisaufschläge auf Waren und Dienstleistungen – allerdings auch bei einer hohen Forschungsintesität! So lagen beispielsweise die F&E-Ausgaben 2018 von Amazon (22,6 Mrd. USD) deutlich über denen von Volkswagen (15,8 Mrd. USD) . Das sind die Änderungen at a glance, aber

… was würden Ludwig Erhard, Alfred Müller-Armack und Walter Eucken nun dazu sagen?

Prof. Wambach sieht eine probate Antwort in der konsequenten Anwendung und Weiterentwicklung des deutschen und europäischen Wettbewerbsrechts. Mit einer nächsten Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) könne man sich einem möglichen Diktat der Internetmonopolisten widersetzen. In dem Zusammenhang hat er aufgerufen, dass wir dazu aber auch alle mithelfen müssen. Alle Akteure müssen zusammenarbeiten, um eine zu große Marktmacht einzugrenzen und die schützenswerten Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft aufrechtzuerhalten. Und in dem Zusammenhang hat er auch die IHKs genannt. 😊

Sein zuversichtliches Fazit lautet daher „ein Update der Sozialen Marktwirtschaft ist möglich“ – selbst im Zeitalter der Digitalisierung. Denn geänderte Wirtschaftsmodelle generieren v.a. auch Wohlstandsgewinne durch neue Märkte. So erlaubt der Paradigmenwechsel vom Marktkapitalismus zu den „kollaborativen Commons“ eines Jeremy Rifkins eine Transformation der Ökonomie, die viele Chancen und eine vielschichtige Demokratisierung mit sich bringt. Den damit einhergehenden Risiken gilt es sich zu stellen. Nicht mehr und nicht weniger.

Outro

Für das Networking danach waren alle Besucher der Veranstaltung in das Café Luise geladen. Dort habe ich insbesondere mit dem Glücksforscher Prof. Karlheinz Ruckriegel sowie dem Fotografen Dr. Thomas Scherer über das eben Gehörte diskutiert. Danke an den Förderverein des Ludwig-Erhard-Zentrums für diese Möglichkeit.

Links

https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wirtschaft-gesellschaft/wirtschaft/digitaler_wohlstand_fuer_alle-15096.html

https://www.ludwig-erhard-zentrum.de

https://www.cafe-luise-fuerth.de/

Plattform-Ökonomie

Smartphone-Screen mit Plattform-Apps

Google, Apple, Facebook und Amazon aber genauso auch AirBnB, Uber oder Ebay: Plattform-Ökonomie ist ein zentrales Phänomen der Digitalen Transformation. Im Kampf um Aufmerksamkeit ist es im großen Rauschen des Internets für Anbieter von Waren und Dienstleistungen effizient, sich relevanten Plattformen und deren Reglements anzuschließen. Der Plattform-Betreiber macht dabei nichts anderes, als Anbieter und Nachfrager zuverlässig und in potenziell sehr großer Zahl zusammenzubringen. Denn im Informationsmedium Internet (mit dessen häufig strapaziertem Sinnbild einer „Datenautobahn“ als schier unendlicher Fluss von ungefilterter Information, die es zu klassifizieren, bewerten und anzuwenden gilt) ist es nur allzu menschlich, sich dieser Arbeit zu entziehen und auf eine Plattform seines Vertrauens zu setzen. Die Triebfedern für dieses Verhalten sind insbesondere Gewohnheit und Komplexitätsreduktion. Aber der Anbieter verliert mit diesem Vertriebsweg den direkten Kundenkontakt, da diese verflixte Plattform dazwischengeschaltet ist. Ein Dilemma, das mit der Reichweite, die der Plattform-Betreiber bereitstellt, gegenzurechnen ist.

Der Blick in den Spiegel

Es gibt zahlreiche Marktanalysen von bitkom und anderen üblichen Verdächtigen im nationalen und internationalen Umfeld, die der Frage nachgehen, ob bzw. wann man bestehende Plattformen nutzen oder besser selbst solche aufbauen sollte. Abhängig sind die dort ermittelten Ergebnisse von den Marktteilnehmern in den Klassifikationen Consumer, Business und Government: Eine private Tauschbörse folgt selbstredend einem anderen Duktus als eine Ausschreibungsplattform. Das Gemeinsame daran ist aber, dass es kaum einen Bereich gibt, der von dem Plattformgedanken ausgenommen ist (man denke an Partnerschaftsbörsen) und dass Vertrauen das zentrale Moment einer funktionierenden Plattform ist. Beide Seiten – Anbieter und Nachfrager – müssen das dem Portal entgegenbringen. Zuletzt muss die Benutzung für beide Seiten auf unterschiedlichsten Dimensionen attraktiv sein, was jedoch bereits mit dem Aspekt der Gewohnheit und Komplexitätsreduktion erreicht werden kann.

Konzentrieren wir uns im Folgenden aber auf diese Währung des Vertrauens. In dem hier zu betrachtenden Kontext ist es kundenseitig eine Folge von positiven Erfahrungen in der Vergangenheit. Der Nachfrager geht von den vergangenen Bedarfslösungsangeboten aus und vertraut auf ein Fortsetzen der für ihn vorteilhaften Geschäftsbeziehung, ohne diese zu hinterfragen. Dabei geht er das Risiko der Nichtbeachtung bzw. -bewertung von Beziehungsalternativen ein. Das erfolgt innerhalb der affektiven, aber auch der intentionalen Dimension von Vertrauen, indem er also eine ständige Kontrolle und Überprüfung bewusst für diese Beziehung ausblendet. Fassen wir uns an die eigene Nase: Das machen wir alle, indem wir (nur deutschsprachig!) googeln, wohlwissend, dass die Suchtreffer ein Potpourri aus objektiven und sehr subjektiven vulgo personalisierten Einträgen sind. Aber es ist nun mal so unbequem und kräftezehrend, immer kritisch zu sein.

Darum prüfe, wer sich (ewig) bindet….

Das war die Sichtweise auf das Kundenverhalten. Aber wie stellt sich das für Anbieter dar? Wie eingangs schon erwähnt, ist die dazwischengeschaltete Plattform eine Entfremdung von Leistungsersteller und -bezieher. Dem kann nur durch verstärkte Kommunikation und ein Markenverständnis begegnet werden. Denn den Kern einer Marke erlebbar zu machen, ist der Selbstschutz in der Plattform-Ökonomie. Digitale Transformation treibt sowohl Kunden als auch Anbieter auf Plattformen, die unfassbar bequem sind und wo relevante Leistungen „umsonst“ angeboten werden. Die Marktmacht der Plattform-Betreiber sorgt jedoch dafür, dass für die Teilnahme sehr wohl ein Preis aufgerufen wird, der ungleich umsonst, aber vielleicht dennoch preis-wert ist. Insofern liegt es an den Anbietern, genau hinzuschauen, in welche Abhängigkeiten man sich auf welchen Portalen (zunächst freiwillig) begibt. Dabei ist das keine neue Überlegung: Es gibt in der Wirtschaftsgeschichte viele – und in der Natur der Sache liegend – analoge Beispiele von Plattform-Ökonomie. So trugen bereits Handelszusammenschlüsse im Mittelalter oftmals die Kennzeichen einer modernen Plattform: Anbieter und Nachfrager profitierten davon, in dem Regelwerk mitzuspielen. Auch wenn sie dafür den einen oder anderen Taler an die Plattform-Betreiber abgeben mussten.

Fazit

Die Öffnung der eigenen technischen Infrastruktur lohnt sich derzeit v.a. für die großen Online-Händler. Im Plattformgedanken stecken aber darüber hinaus noch unendlich viele Geschäftsmodelle, die als Chance wahrgenommen werden können: Bisher ungedachte Allianzen können genauso geschmiedet werden wie eigene Weiterentwicklungen. Letzteres zeigt die Vorzeigeplattform Amazon. Begonnen als Online-Buchhändler ist dieses Unternehmen zwar immer noch auf dem Weg zum kundenfreundlichsten Online-Versand mit Vollsortiment-Anspruch (2018 erstmals Autos!) sowie ergänzenden stationären (!!) Handelsengagements, die lukrativste Konzernspalte ist aber inzwischen deren Cloud-Service. Derzeit. Denn diese Erfolgsgeschichte ist mit Sicherheit noch nicht fertig geschrie

Links

https://www.platformeconomy.com/

Digital-Gipfel der Bundesregierung am 3./4. Dezember

Keyvisual zum Digital-Gipfel 2018 (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

…. im schönen Nürnberg. Potzblitz, das wäre es bestimmt wert, die weite Anfahrt auf mich zu nehmen und vor Ort sein. ☺ Das waren meine ersten Gedanken. Mist, eine Teilnahme gab es nur auf Einladung, aber man konnte sich dafür bewerben. Gesagt getan und so war ich dann schlussendlich bei den Glücklichen, die im Vorfeld eine Akkreditierung zugesandt bekommen haben. An der Stelle ein kurzer subjektiver Erlebnisbericht vom Tag zwei.

Intro

Der Digital-Gipfel und sein unterjähriger Prozess sind Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung des digitalen Wandels. Der diesjährige Digital-Gipfel setzte einen besonderen thematischen Schwerpunkt beim Thema Künstliche Intelligenz (KI). Das spiegelte das Programm des Digital-Gipfels 2018 (PDF-Datei, 3 MB) wieder. Im Vorfeld dazu hat die Bundesregierung am 15. November ihre Strategie Künstliche Intelligenz beschlossen, mit der Deutschland in den kommenden Jahren zu einem weltweit führenden KI-Standort entwickelt werden soll. 

Das Erleben

„Digitalisierung ist keine Kür, sondern Pflicht. Und es ist eine Gemeinschaftsaufgabe“ so bewertete der Präsident des Digitalverbandes Bitkom Herr Berg die anstehenden Aufgaben in seiner Keynote. Er kritisierte darin aber auch genauso, dass der starke Föderalismus die Digitalisierung bremse und forderte am aktuellen Beispiel des Digitalpakts Schule: „Einigen Sie sich bitte schnell.“

Dem folgte Bundeskanzlerin Frau Merkel mit einer Replik, dass sie ein Vertrauen in die föderalen Strukturen und der Ergebnisfähigkeit der selbigen habe. In der bisweilen selbstironischen v.a. aber sachlich fundierten Rede ging sie im weiteren dann zur KI-Strategie ein und legte ihre Sicht der Dinge dar. Heilsbringend ist demnach eine KI-Strategie, die deutsche Stärken stärkt. Wo ich mich besonders angesprochen gefühlt habe: Sie sagte in ihrer Rede (etwa bei Minute 5:30) interessanterweise „… müssen wir dafür sorgen, dass die großen Front Runner quasi die anderen mitnehmen, das ist eine Aufgabe für Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern“. Aye aye, sir.

Bewertung

Was schon am Tag eins klar wurde: Die deutsche Bundesregierung hat die Dringlichkeit des Themas erkannt und versucht die Forschung mit einhundert neu geschaffenen Professorenstellen voranzubringen. Aber wie sollen diese Professorenstellen im internationalen Wettbewerb besetzt werden? Außerdem sollen bis 2025 drei Milliarden Euro in den KI-Sektor investiert werden. Ein Blick ins Reich der Mitte zeigt jedoch: Genug ist das nicht. So plant allein Shanghai im gleichen Zeitraum einen fünfmal so hohen Betrag für die Förderung von KI-Projekten auszugeben. Bis 2030 soll die gesamt-chinesische KI-Branche weltweit führend sein. Das ist ein ganz anderes Niveau, aber ehrlicherweise sind wir nunmal auch substanziell kleiner. Aber vielleicht könnte unsere nationale (und dennoch im europäischen Verbund zu orchestrierende!) KI-Strategie dennoch ambitionierter sein, vielleicht ist sie zudem etwas zu spät und zu unausgegoren? Denn bereits jetzt haben fünf der sieben wertvollsten KI-Unternehmen ihren Sitz in China. Allerdings will ich China in meinem Kopf dann doch nicht als Vorbild für eine nationale Digitalisierungsstrategie akzeptieren. Klar, die ist effizienter, weil von oben herab diktiert. Darüber hinaus trägt sie auch kulturellerAspekte und ist sicher ein Stück weit historisch bedingt also quasi in den Genen festgelegt. Der gemeine Chinese scheint digital aufgeschlossener zu sein und dem qua definitionem funktionierenden Konglomerat von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft steht damit auch eine unfassbare Datensammlung zur Verfügung. Das ist beides eine hervorragende Ausgangslage für die KI-Kollegen aus dem Reich der Mitte.

Das war der Blick auf die kommenden KI-Supermacht China. Die derzeitige übermächtige Konkurrenz in Sachen KI sind aber immer noch die USA. Dort ist die KI-Forschung und -Anwendung in ein marktwirtschaftliches System eingebettet und hat damit eine andere Ausrichtung. Laut Prof. Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), wird KI hier vorrangig kommerziell in Business to Consumer (B2C)-Märkte eingesetzt (s. dazu auch die KI-Landkarte der Plattform Lernende Systeme). Das Ganze muss sich also erst mal wirtschaftlich lohnen. Nach den in der Presse berichteten Stand zum staatspolitischen Autoritarismus chinesischer Prägung mit dessen KI-Anwendung im Sicherheits- und Überwachungskontext ist es tröstlich, das es ein bislang bewährtes Korrektiv für die Entwicklung von KI gibt.

Als Ergebnis bleibt, dass Europa bei der KI das Sandwich-Kind ist – zusammengepresst in der Mitte der beiden anderen Akteure USA und China. Es gibt heute nicht einen einzigen relevanten europäischen Techkonzern, der im globalen KI-Konzert mitspielt. Im diesem Feld wird aber ein Systemwettbewerb ausgetragen. Bundeswirtschaftsminister Altmaier schlug daher am Rande die Digital-Gipfels die Schaffung eines „Airbus für die KI“ vor, also eines staatenübergreifenden europäischen KI-Konzerns, vor. Kann man machen, muss aber nicht notwendigerweise funktionieren. Schließlich geht es bei KI um (dezentrale!) Innovation und die ist nicht planbar.

Outro

Die Fortführung des Digital Gipfels ist gewiss – der Ort steht jedoch noch nicht fest. Auf den Themenschwerpunkt 2019 bin ich aber bereits jetzt gespannt. Grundsätzlich war die 2018er Ausgabe eine Super-Veranstaltung und hochkarätig besetzt. Ich gestehe: Ich habe mich bei all dem Input v.a. über gemeinsamen (analogen!!) Kaffee/Gespräche vor Ort mit meinen IHK-München Kollegen Franziska Neuberger und Dr. Alexander Machate, mit Ingo DiBella vom Nürnberg Digital Festival, Markus Neubauer von Silbury (sowie seines Zeichens Mitglied im DIHK-Mittelstandsausschuss) und den anwesenden Shiftschool-Kolleginnen Severin Vavvas und Carina Reitlinger sowie -Leiterin Tina Burkhardt gefreut.

Links

Die offizielle Digital-Gipfel-Seite

Die Mediathek der Digital-Gipfel-Seite – dort finden sich Grundlagenpapiere zu den Themen, die auf der Agenda standen

Mehr zur KI-Strategie der Bundesregierung

Die Berichterstattung meiner Shiftschool-Mate Sevi

Das erste NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL

Roll-up NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL 2018

Vom 12. bis 22. Oktober 2018 fand an verschiedenen Veranstaltungsorten in Nürnberg und Umgebung das „NÜRNBERG DIGITAL FESTIVAL “ statt. Seit 2012 verbindet es unterschiedlichste Akteure aus der digitalen Welt. Das Festival, das unter dem Namen „NÜRNBERG WEB WEEK“ gestartet ist, versteht sich als offenes Netzwerk für alle interessierten Menschen und Organisationen aus der Metropolregion.

Auf dem Programm stand eine große Palette an Vorträgen, Workshops und Präsentationen: Mit mehr als 170 Veranstaltungen lag der Fokus in diesem Jahr u.a. auf den Themen künstliche Intelligenz, Blockchain-Technologie, Web und Social Media, E-Marketing, E-Commerce, Coding, Startups und Kreativkultur. 

Gesehen/miterlebt habe ich davon nur einen Bruchteil, aber das war alles klasse!! Ich war bei der Eröffnung im Germanischen Nationalmuseum (mit Keynotes von Sascha Lobo, Daniel Jung und Christian Heilmann sowie einem Zwiegespräch von Richard Gutjahr und Katharina Schulze statt der ursprünglich geplanten Dorothee Bär), „Wer ist eigentlich (IBM)Watson?“ bei der Consorsbank, „Alexa, Siri, Google Home und Chatbots – Hands On“ bei der TH Nürnberg und „Appmusik“ sowie „Schlagzeug spielen mit Freedrum“ in der Stadtbibliothek Nürnberg.

Besonders aufschlussreich waren für mich die Keynote von Herrn Lobo (s. dazu ein Beitrag auf digitalisierung-und-ich.de) sowie der Chatbot – Hands On-Vortrag der BOTfriends, der allerdings entgegen der Ankündigung v.a. Google Dialogflow zum Gegenstand hatte. Aber das auf hohem Niveau.

Die IHK Nürnberg war in diesem Jahr offizieller Kooperationspartner und hat sich mit drei Veranstaltungen beteiligt. Konkret waren das die Verleihung des „Mittelfränkischen Website Awards 2018“, das „Nürnberg Gründer/Startup Barcamp“ der Wirtschaftsjunioren Nürnberg sowie die Veranstaltung „VR-NUE: Virtual Reality in Nürnberg“ im Südwestpark, bei der die Besucher die virtuellen Welten der Zukunft erkunden konnten.

Links

https://nuernberg.digital

Servus-KI

Keyvisual zum Servus-KI-Festival (Class3 Shiftschool)

Am 28. September fand unter dem nach meinem Dafürhalten genial verschwurbelten Titel „Servus-KI“ mein Eintritt in das Shiftschool-Universum statt. Denn jede/r Klasse/Jahrgang der „ersten Akademie für digitale Transformation“ hat eine Ausrichtung eines Events unter einem bestimmten Titel zur Aufgabe. Und die Class3 hat das an diesem Tag perfekt gelöst. Chapeau! Unter https://servus-ki.de/ finden sich die Protagonisten sowie das Programm dieser reichhaltigen Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz. Dennoch auch hier kurz die Veranstaltungsfakten: In den Räumen der Design Offices diskutierten 200 Teilnehmer und 16 Speaker in Vorträgen und Workshops einen ganzen Tag über die Möglichkeiten und Herausforderungen der KI. Ich will an der Stelle meinen Weg durch das Festival skizzieren.

Die Keynote hielt Andreas Varesi. Er widmete sich der Frage, ob uns KI ins Paradies oder in einen Alptraum führt. Wird es Massenarbeitslosigkeit durch KI geben und das bisweilen dystopisch gekennzeichnete Bild eintreffen? Seiner Meinung nach, wird der Einsatz der KI, unsere Gesellschaft eher formen, als zerstören. Denn KI kann Routinen, Präzision und sie hält sich an Regeln. Aber genau diese müssen wir weiter selbst aufstellen. Interessante Gedanken! Als Beispiele bringt er Google Duplex, Project Debater, Face Finder, Emotionen an der Gesichtszügen, deep voice…

Dann war ich kurz bei der nächsten Session bei Prof. Dr. Jürgen Wirtgen, Microsoft, zu dessen Vortrag „Künstliche Intelligenz@Microsoft“: Da war die Kernbotschaft, dass der Mensch einfach genial ist und man auf maschineller Ebene noch ein paar light years davon entfernt ist. Da hat Microsoft mit deren Chatbot Tay ja auch schon seine Erfahrungen machen dürfen (s. dazu einen Artikel in der Zeit „Twitter-Nutzer machen Chatbot zur Rassistin“ von 2016). Ich weiß nicht, ob das in dem Vortrag thematisiert wurde, weil ich nämlich schon allein organisatorisch gleich weiter zu….

Jonas Bedford-Strohm gegangen bin. Er arbeitet beim BR und kuratiert dort deren digitales Engagement. Was geht in der Medienbranche hinsichtlich Mensch-Maschine-Kooperation? Bislang experimentieren sie mit Roboterjournalismus beispielsweise mit Fußballberichterstattung. An Börsenmeldungen trauen sie sich aber noch nicht ran. Da ist das Risiko, wenn was falsch berichtet wird, dann doch zu groß (er hat bestimmt „Money Monster“ gesehen). Als Beispiele aus seiner BR-Praxis bringt er Homo Digitalis und die Grünwald-KI. Interessant ist aber die Fragestellung, die er aufwirft: Ein maschinelles Subsystem soll fehlerfrei sein, aber warum eigentlich? Wir sind es ja auch nicht. Als positiven Ausblick hinsichtlich des potenziellen Wegfalls von Arbeitsplätze durch KI (s. dazu den Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB) postuliert er, dass KI Arbeit, aber nicht Aufgaben ersetzt. Und dass das Alleinstellungsmerkmal des Menschen seine Persönlichkeit ist: Daher braucht der Mensch lediglich eine permanente Erneuerung seiner Bildung, um mit der KI mithalten zu können. Das klingt ziemlich versöhnlich gegenüber dem vermeintlichen Job-Killer KI.

Dann war ich im Vortrag von Stephanie Fischer und Dr. Christian Winkler von datanizing, die anhand einer Reise nach New York den Zuhörern das Thema Maschine Learning nahebrachten. Konkret: Wie beauftrage ich eine KI, um anhand von Mustererkundung in (TripAdvisor komplett unstrukturierten) Texten aus Daten Informationen zu machen. Das war grundsätzlich anschaulich, aber es war eher ein Funke als eine Bedienungsanleitung zum eigenen Nachbauen. Fazit: Ich weiß nach dieser Session, was ich alles nicht weiß. Aber das ist ja auch was….

Was mich zur nächsten Session bringt: „Nachvollziehbares Machine Learning“ von Prof. Ute Schmid, Uni Bamberg. „Machine Learning“ ist der Oberbegriff für alle Verfahren, die es Maschinen ermöglichen, Wissen aus Erfahrung zu generieren, also zu lernen. Oder blumiger anhand der (berechneten) Fakten, eigenständig neue Antworten auf Fragen zu finden. Um da tiefer einzusteigen, legt sie aber zunächst die Genese der Künstlichen Intelligenz dar. Der Begriff und mit ihm die akademische Forschungsdisziplin zur KI wurde auf einer Konferenz in Dartmouth 1956 von John MaCarthy erfunden. Der historische Begriff von KI ist demnach viel größer, als das derzeit diskutiert wird, und er hat in den 70 Jahren seines Bestehens zahlreiche Ups and Downs erfahren. Dann ordnet sie die KI in die unterschiedlichen Dimension ein: Schwache KI (Algorithmus-basiert, also Machine Learning, was letztlich sehr ambitionierte Statistik ist), dann starke KI und zuletzt eine generelle KI, die heute noch fraglich ist, ob sie jemals kommt. Denn das erfordert eigene Kreativität und ein „Selbstbewusstsein“ der Maschine. Dazu gibt es „Deep Learning“, was mit künstlichen neuronalen Netzen arbeitetet, um zu besonders effizienten Lernerfolgen zu gelangen. An dem arbeiten „wir“ derzeit stark. Und mit „Natural Language Processing“ (NLP) gibt es ein KI-unterstütztes Forschungsfeld, das mit Hilfe von mathematischen Techniken, die es einem technischen System ermöglicht, autark Wissen aus Erfahrungen zu generieren, ein derzeit ebenfalls populäres Teilgebiet des maschinellen Lernen liefert. Diese Verortung war jedenfalls sehr gut fürs eigene Verständnis: KI ist demnach ein Sammelbegriff, den man verwendet, wenn man nicht zu sehr ins Detail gehen will….

Mein nächster Slot war bei Prof. Dr. Christian Heinrich, der digitale Transformation an der Quadriga Hochschule Berlin lehrt. Heute war er aber als Unternehmensvertreter von Scoutbee an Bord. Er stellte seine KI-unterstützte Supplier-Software Discovery vor. Ein sehr überzeugender Ansatz: Eine Maschine kann die nötigen Recherche-Anfordungen für ein globales Einkaufsmanagement wesentlich genauer, analytischer und objektiver durchführen als das ein menschlicher Einkäufer je machen kann. Bzw. diese Software kann die dazu anfallende Routine-Tätigkeit abnehmen und dem Einkäufer Zeit und Ressourcen für den kreativen Part bei dieser Aufgabe freischaufeln. Hört sich gut an. Im Gespräch danach kam dann der Link für die Identifikation von internationalen Lieferketten. Das ist ein Thema für meinen IHK-Beritt mit deren Partnerorganisationen, den Auslandshandelskammern. Und mit denen ist er auch tatsächlich schon im Austausch bzw. zu einer Tagung im Dezember in München eingeladen. Sehr gut!

Dann kam eine sehr mutige Session: Unter dem Titel „Emotionale Intelligenz veredelt KI“ liest Dr. Cassandra Riedl einen lyrischen Text zu diesem Spannungsfeld. Inhaltlich war es die Darstellung eines „Betonarchitekten“. Was habe ich davon mitgenommen? Das weiß ich in diesem Moment noch nicht.

Als Absacker war ich noch im Workshop bei Julian Knorr, Onestoptransformation AG. Das war nochmal sehr hands-on digitale Transformation. Ein Aper­çu in dem Workshop fand ich dann bemerkenswert: Digitale Leidenschaft muss leiden können. Sehr treffend nach einem langen Festivaltag. Denn meine Komfortzone hatte ich zu dem Zeitpunkt längst verlassen. Die After-Show-Party fällt dem erreichten Energielevel zum Opfer und muss leider ohne meine Beteiligung vonstatten gehen.

Outro

Auch wenn es eine Wiederholung ist – chapeau an Class3! Das war ein wunderbarer Tag. Ihr habt damit zwar die Latte für das Festival meiner Class4 verdammt hoch gelegt, aber ich habe von dem Tag viel mitgenommen.

Links

https://www.wired.de/article/boston-dynamics-roboter-atlas-kann-jetzt-parkour

https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2019-03/Special/maschinen-lernen-nie-aus