Servus-KI

Am 28. September fand unter dem nach meinem Dafürhalten genial verschwurbelten Titel „Servus-KI“ mein Eintritt in das Shiftschool-Universum statt. Denn jede/r Klasse/Jahrgang der „ersten Akademie für digitale Transformation“ hat eine Ausrichtung eines Events unter einem bestimmten Titel zur Aufgabe. Und die Class3 hat das an diesem Tag perfekt gelöst. Chapeau! Unter https://servus-ki.de/ finden sich die Protagonisten sowie das Programm dieser reichhaltigen Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz. Dennoch auch hier kurz die Veranstaltungsfakten: In den Räumen der Design Offices diskutierten 200 Teilnehmer und 16 Speaker in Vorträgen und Workshops einen ganzen Tag über die Möglichkeiten und Herausforderungen der KI. Ich will an der Stelle meinen Weg durch das Festival skizzieren.

Die Keynote hielt Andreas Varesi. Er widmete sich der Frage, ob uns KI ins Paradies oder in einen Alptraum führt. Wird es Massenarbeitslosigkeit durch KI geben und das bisweilen dystopisch gekennzeichnete Bild eintreffen? Seiner Meinung nach, wird der Einsatz der KI, unsere Gesellschaft eher formen, als zerstören. Denn KI kann Routinen, Präzision und sie hält sich an Regeln. Aber genau diese müssen wir weiter selbst aufstellen. Interessante Gedanken! Als Beispiele bringt er Google Duplex, Project Debater, Face Finder, Emotionen an der Gesichtszügen, deep voice…

Dann war ich kurz bei der nächsten Session bei Prof. Dr. Jürgen Wirtgen, Microsoft, zu dessen Vortrag „Künstliche Intelligenz@Microsoft“: Da war die Kernbotschaft, dass der Mensch einfach genial ist und man auf maschineller Ebene noch ein paar light years davon entfernt ist. Da hat Microsoft mit deren Chatbot Tay ja auch schon seine Erfahrungen machen dürfen (s. dazu einen Artikel in der Zeit „Twitter-Nutzer machen Chatbot zur Rassistin“ von 2016). Ich weiß nicht, ob das in dem Vortrag thematisiert wurde, weil ich nämlich schon allein organisatorisch gleich weiter zu….

Jonas Bedford-Strohm gegangen bin. Er arbeitet beim BR und kuratiert dort deren digitales Engagement. Was geht in der Medienbranche hinsichtlich Mensch-Maschine-Kooperation? Bislang experimentieren sie mit Roboterjournalismus beispielsweise mit Fußballberichterstattung. An Börsenmeldungen trauen sie sich aber noch nicht ran. Da ist das Risiko, wenn was falsch berichtet wird, dann doch zu groß (er hat bestimmt „Money Monster“ gesehen). Als Beispiele aus seiner BR-Praxis bringt er Homo Digitalis und die Grünwald-KI. Interessant ist aber die Fragestellung, die er aufwirft: Ein maschinelles Subsystem soll fehlerfrei sein, aber warum eigentlich? Wir sind es ja auch nicht. Als positiven Ausblick hinsichtlich des potenziellen Wegfalls von Arbeitsplätze durch KI (s. dazu den Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB) postuliert er, dass KI Arbeit, aber nicht Aufgaben ersetzt. Und dass das Alleinstellungsmerkmal des Menschen seine Persönlichkeit ist: Daher braucht der Mensch lediglich eine permanente Erneuerung seiner Bildung, um mit der KI mithalten zu können. Das klingt ziemlich versöhnlich gegenüber dem vermeintlichen Job-Killer KI.

Dann war ich im Vortrag von Stephanie Fischer und Dr. Christian Winkler von datanizing, die anhand einer Reise nach New York den Zuhörern das Thema Maschine Learning nahebrachten. Konkret: Wie beauftrage ich eine KI, um anhand von Mustererkundung in (TripAdvisor komplett unstrukturierten) Texten aus Daten Informationen zu machen. Das war grundsätzlich anschaulich, aber es war eher ein Funke als eine Bedienungsanleitung zum eigenen Nachbauen. Fazit: Ich weiß nach dieser Session, was ich alles nicht weiß. Aber das ist ja auch was….

Was mich zur nächsten Session bringt: „Nachvollziehbares Machine Learning“ von Prof. Ute Schmid, Uni Bamberg. „Machine Learning“ ist der Oberbegriff für alle Verfahren, die es Maschinen ermöglichen, Wissen aus Erfahrung zu generieren, also zu lernen. Oder blumiger anhand der (berechneten) Fakten, eigenständig neue Antworten auf Fragen zu finden. Um da tiefer einzusteigen, legt sie aber zunächst die Genese der Künstlichen Intelligenz dar. Der Begriff und mit ihm die akademische Forschungsdisziplin zur KI wurde auf einer Konferenz in Dartmouth 1956 von John MaCarthy erfunden. Der historische Begriff von KI ist demnach viel größer, als das derzeit diskutiert wird, und er hat in den 70 Jahren seines Bestehens zahlreiche Ups and Downs erfahren. Dann ordnet sie die KI in die unterschiedlichen Dimension ein: Schwache KI (Algorithmus-basiert, also Machine Learning, was letztlich sehr ambitionierte Statistik ist), dann starke KI und zuletzt eine generelle KI, die heute noch fraglich ist, ob sie jemals kommt. Denn das erfordert eigene Kreativität und ein „Selbstbewusstsein“ der Maschine. Dazu gibt es „Deep Learning“, was mit künstlichen neuronalen Netzen arbeitetet, um zu besonders effizienten Lernerfolgen zu gelangen. An dem arbeiten „wir“ derzeit stark. Und mit „Natural Language Processing“ (NLP) gibt es ein KI-unterstütztes Forschungsfeld, das mit Hilfe von mathematischen Techniken, die es einem technischen System ermöglicht, autark Wissen aus Erfahrungen zu generieren, ein derzeit ebenfalls populäres Teilgebiet des maschinellen Lernen liefert. Diese Verortung war jedenfalls sehr gut fürs eigene Verständnis: KI ist demnach ein Sammelbegriff, den man verwendet, wenn man nicht zu sehr ins Detail gehen will….

Mein nächster Slot war bei Prof. Dr. Christian Heinrich, der digitale Transformation an der Quadriga Hochschule Berlin lehrt. Heute war er aber als Unternehmensvertreter von Scoutbee an Bord. Er stellte seine KI-unterstützte Supplier-Software Discovery vor. Ein sehr überzeugender Ansatz: Eine Maschine kann die nötigen Recherche-Anfordungen für ein globales Einkaufsmanagement wesentlich genauer, analytischer und objektiver durchführen als das ein menschlicher Einkäufer je machen kann. Bzw. diese Software kann die dazu anfallende Routine-Tätigkeit abnehmen und dem Einkäufer Zeit und Ressourcen für den kreativen Part bei dieser Aufgabe freischaufeln. Hört sich gut an. Im Gespräch danach kam dann der Link für die Identifikation von internationalen Lieferketten. Das ist ein Thema für meinen IHK-Beritt mit deren Partnerorganisationen, den Auslandshandelskammern. Und mit denen ist er auch tatsächlich schon im Austausch bzw. zu einer Tagung im Dezember in München eingeladen. Sehr gut!

Dann kam eine sehr mutige Session: Unter dem Titel „Emotionale Intelligenz veredelt KI“ liest Dr. Cassandra Riedl einen lyrischen Text zu diesem Spannungsfeld. Inhaltlich war es die Darstellung eines „Betonarchitekten“. Was habe ich davon mitgenommen? Das weiß ich in diesem Moment noch nicht.

Als Absacker war ich noch im Workshop bei Julian Knorr, Onestoptransformation AG. Das war nochmal sehr hands-on digitale Transformation. Ein Aper­çu in dem Workshop fand ich dann bemerkenswert: Digitale Leidenschaft muss leiden können. Sehr treffend nach einem langen Festivaltag. Denn meine Komfortzone hatte ich zu dem Zeitpunkt längst verlassen. Die After-Show-Party fällt dem erreichten Energielevel zum Opfer und muss leider ohne meine Beteiligung vonstatten gehen.

Outro

Auch wenn es eine Wiederholung ist – chapeau an Class3! Das war ein wunderbarer Tag. Ihr habt damit zwar die Latte für das Festival meiner Class4 verdammt hoch gelegt, aber ich habe von dem Tag viel mitgenommen.

Links

https://www.wired.de/article/boston-dynamics-roboter-atlas-kann-jetzt-parkour

https://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2019-03/Special/maschinen-lernen-nie-aus

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